Dienstag, 9. Mai 2017

Rezension zu Die Liebe in diesen Zeiten von Chris Cleave

Ein tolles Buch!
 
Bildergebnis für die liebe in diesen zeiten chris cleave

Inhalt vom Buchrücken:

Mary North ist jung, hübsch und aus guter Familie. In ihrem ganzen Leben musste sie noch nichts Schwereres heben als ein Cocktailglas. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs meldet sie sich impulsiv und voller Enthusiasmus in London zur Truppenunterstützung. Sie wird allerdings ganz unheroisch nur als Hilfslehrerin an einer Schule eingesetzt. Dabei lernt sie Tom kennen, der bei der Schulbehörde arbeitet. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen ... Aber ihre Verlobung begegnet größeren Hindernissen als nur dem Widerstand von Marys Familie. Denn eines Tages kommt Toms Freund Alistair, der sich freiwillig gemeldet hat, auf Heimaturlaub, und sein Zusammentreffen mit Mary löst in ihnen beiden heftige, nie gekannte Gefühle aus. Doch sie werden einander so bald nicht wiedersehen. Briefe sind ihre einzige Möglichkeit, in Verbindung zu bleiben. Und bald überschattet das Drama des Krieges alles andere. Mary und Alistair sehen sich Erfahrungen ausgesetzt, die in ihrem Grauen fast unwirklich erscheinen. Wie lange werden sie noch aneinander Halt finden können?

Meine Meinung:

Ich finde der Klappentext baut zu sehr auf der Liebesgeschichte auf. Das ist nicht ganz richtig. Für mich ist dies keine Liebesgeschichte, sondern eine über den Krieg. Und zwar sehr gelungen! Ich wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil - der außergewöhnliche Schreibstil, präzise Situationskomik, authentische Gefühle, all das ließen mich hautnah bei den Schrecken des Krieges dabei sein.
Wir begleiten verschiedene Charaktere an ihren unterschiedlichen Schauplätzen, wie sie damit umgehen und wie sich ihre Persönlichkeit verändert. Ich bin einfach nur beeindruckt, tief erschüttert und diese Geschichte hat mich so manches Mal hart schlucken lassen, berührt und meine Angst vor einem Krieg ziemlich geschürzt.
Die Ereignisse prasselten einfach so realistisch auf mich nieder, eine Schreibkunst, die mich mitgerissen hat.

Die Hauptperson ist Mary. Sie kommt aus der Oberklasse und möchte gern ihre eigene kleine Rebellion gegen ihre Eltern starten. Für sie ist am Anfang der Krieg etwas wunderbares, sie möchte Lehrerin spielen und findet alles toll und ist ziemlich naiv. Sie ist eine sehr spezieller Charakter und war mir nicht sehr sympathisch. Doch trotzdem konnte mich ihr Schicksal berühren und ich wie sie am Ende gehandelt hat und an ihre Ideale geglaubt hat, haben mich sehr beeindruckt.

Eine große Rolle spielt ihre Freundschaft zu Hilda. Ich habe ihre Freundin am Anfang für ein sehr oberflächliches, langweiliges Mädchen gehalten, doch Hilda wird zu einer erstklassigen Krankenschwester und - hach, es gibt da einfach diese eine Szene von der ich tief beeindruckt war. Ich musste sie einfach dreimal lesen. Mit dieser Tat hat Hilda auf jeden Fall meinen Respekt gewonnen. Das fand ich beeindruckend- ich kann es gar nicht in Worte fassen. Das war wirklich einmalig. Die, die das Buch gelesen haben, wissen welche wunderbare Szene ich meine :-)

Und dann gibt es da ja noch Tom und Alistair, ebenfalls zwei Freunde, durch ein Glas mit Brombeermarmelade verbunden. Der eine bleibt zu Hause in London, der andere zieht in den Krieg.
Tom blieb für mich unscheinbar. Er hatte kein Mumm, keinen Ehrgeiz, war sehr schüchtern und verstockt und blieb mir bis zum Schluss blass, doch Alistair war sein genaues Gegenstück. Prägnant, viel Farbe, ein breitgefächertes Leben. Er ist stark und verzweifelt nicht, bricht nicht an dem, was ihm widerfährt - und da passieren schockierend viele schreckliche Tragödien. Natürlich verändert er sich, natürlich behält er seelische und körperliche Traumata vom Krieg zurück - und doch schafft er es zu überleben.

Dieser Satz hat mich tief berührt: Seite:157
"Aber was nützt es, einem Kind das Zählen beizubringen, wenn du ihm nicht beweist, dass es selbst auch zählt?"


Sie alle kommen nicht heil aus diesem Krieg heraus. So zogen sie am Anfang noch glorreich in den Kampf, in der Meinung, dass sei doch alles nur ein wunderbarer Spaß, ein Miniblitzkrieg und schnell gewonnen, so mussten sie am Ende doch mit erleben, wie ihre Welt in Schutt und Asche gelegt wurde.
Nichts hat Bestand und doch geht das Leben weiter und was bleibt, ist ein kleines Fünkchen Hoffnung.

"Hier war der indigoblaue Himmel, voll lärmender Sterne. Mary schaute zu ihnen hinauf, zu den ungelöschten Milliarden."
Seite 351


Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er war ganz anders, als ich bisher gelesen habe. In einigen Rezensionen wurde gerade der Witz bemängelt, doch genau der britische Humor, der Sarkasmus passte für mich in dieses düstere Buch hinein. Es gab einem die Chance ein sehr schlimmes Kapitel in der Geschichte der Menschheit zu lesen, ohne daran zu verzweifeln. Ich finde den Witz nicht respektlos, im Gegenteil. Die Wortgefechte sind genau durchdacht, die Beschreibungen wie im Film und Probleme, wie etwa die Farbigen, die nicht akzeptiert werden, kranke, missgestaltete Kinder ect. leben so auf.

Seite 69: Zachary hat seinen Brief mit einer erkennbaren Leserechtschreibschwäche geschrieben und Hilda sagt: "Er schreibt, als hätte er Großbuchstaben im Sonderangebot gekauft."

Fazit:

Die Liebe in diesen Zeiten ist weniger ein Liebesroman (bis auf ein paar Briefe), sondern mehr ein Kriegsroman. Wunderbar geschrieben. Sehr echt, sehr ergreifend.

5 Sterne

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