Sonntag, 6. November 2016

REZENSION zu Der Turm der Welt von Benjamin Monferat

Anstrengend, aber sehr eindrucksvoll
 

Inhalt vom Buchrücken:

Oktober 1889: Die Pariser Weltausstellung geht dem Ende zu. Millionen von Menschen strömen in die Lichterstadt, um Zeuge des Spektakels zu werden. Die brisante internationale Lage scheint für einen Augenblick vergessen. Und doch würde gerade hier, im bunten Gewimmel der Nationen und Interessen, ein Funke genügen, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen. Ausgerechnet da werden zwei Ermittler des französischen Geheimdienstes tot aufgefunden - sie waren einer Verschwörung auf der Spur.
Was niemand weiß: Die Zukunft Europas ist mit dem Schicksal einiger Besucher der Ausstellung eng verknüpft: Eine französische Adelige - Königin der Pariser Salons - fürchtet um ihr Geheimnis: dessen Enttarnung würde weit mehr als nur einen gesellschaftlichen Skandal bedeuten. Ein deutscher Offizier, unterwegs in einer sehr persönlichen Agenda, wird zum Spielball der Großmächte. Ein junger Fotograf schließt einen folgenschweren Pakt, um das Herz seiner großen Liebe zu gewinnen. Ist die bildschöne Kurtisane in Wahrheit eine Spionin?
Schließlich versammelt sich alles, was Rang und Namen hat, an der Spitze des Eiffelturms, um das Abschlussfeuerwerk zu bestaunen. Wann wäre der Zeitpunkt für einen Anschlag besser gewählt, um die Welt im Chaos versinken zu lassen? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: zu Lande, zu Wasser – und in der Luft ...




Meine Meinung:
Schon  durch das einfach wunderschöne Cover bin ich auf das Buch aufmerksam geworden. Die Inhaltsangabe klang auf mich mystisch und aufregend und bereits in dieser Beschreibung merkte ich, dass mich etwas Großes erwartet.

Und dem war tatsächlich so. Der Turm der Welt mit seien über 700 Seiten ist ein ziemlich dickes Buch - ein Knäuel aus Intrigen, Verwicklungen, rauschenden Farben und Gefühlen. Es ist ziemlich schwer zu fassen, weil es so gigantisch verzwickt ist, dass man es erst mal begreifen muss.

Plakat zur Weltausstellung Paris 1889
Ich muss gestehen, ich habe sehr lange gebraucht, um diese Geschichte zu lesen. Sonst rausche ich oft schnell durch, aber hier ist es gar nicht so einfach hinterher zu kommen. Am Anfang sah ich gar nicht richtig durch. Benjamin Monferat stellt uns so viele verschiedene Charaktere vor, dass ich den Überblick verlieren. Doch und nach stoßen all die unterschiedlichen Charaktere aufeinander, bis sie am Ende heillos ineinander zusammenhängen.
Ich finde dieser Autor hat eine sehr große schriftstellerische Gabe.
Dieses Werk muss sehr genau durchplant sein, damit man nicht durcheinander kommt. Es ist ein ziemlich ausgeklügeltes perfides System und kleinste Körner auf einer Waagschale können hier entscheiden.
Ich finde es faszinierend, wie er die Stricke, die am Ende die Lösung offenbaren verwoben hat und wie nach und nach alle zueinander finden.
Sie kommen alle von woanders her und als Leser kann man sich zunächst gar nicht vorstellen, wie alles zusammenhängt und doch schleicht es sich voran und urplötzlich ist da dieser großer Ball.

Am Anfang musste ich mich wirklich erst mal reinlesen und ja auch durchbeißen. Doch nach und nach verdichten sich die Rollen, die seine Personen in dieser Geschichte spielen und es wird spannend. Etwa ab der Hälfte konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Es war einfach so spannend und man rückte dem Spektakel immer näher und näher. Das Flimmern und die Explosion waren zum Greifen nach.
Die Auflösung hat mich überrascht. Ich hatte sie mir anders vorgestellt und ich bin ein bisschen verwundert, wie klein das Rätsel doch eigentlich ist. Schlicht und einfach, aber wahr. Es steckt eine wunderbare Botschaft an die Menschen in der Geschichte, was besonders in den letzten Zügen deutlich wird.
Am wichtigsten ist, trotz all der unterschiedlichen internationalen Mächte - Franzosen, Briten und Deutsche - trotz all ihrer möglichen Machtansprüche und Interessen: Der Frieden. Das Kostbarste Gut, was es auf der Welt, nur geben kann.

Mein liebster Charakter war die Pariser Kurtisane Madeline Royal. Sie hat eine rührende Geschichte, wie sie im Hurenhaus des Chou Chou gelandet ist und wie sie sich hochgearbeitet hat, als eine der best angesehensten Frauen in Paris. Die Männer liegen ihr zu Füßen und wollen sie. Madeline Royal. Sie ist eine kluge und starke Frau. Sie wirkt kühl und eisern, aber hat ein warmes Herz. Ich habe sie so gemocht.
Dann gibt es aber auch Albertine de Roquefort, die Königin unter den Pariser Salons. Sie ist fast genauso stark. Sie hält immer eine Maske zur Schau und verbirgt ihre innersten Gefühle. Sie strebt nach dem Besten für sich und ihre Tochter Melanie. Sie wirkt kalt und herzlos, wie ein Eisblock, aber auch sie hat ihre Gründe in einer so schwierigen Zeit, in der die Frau gerade erst dabei ist sich den Platz am Himmel zu erobern und die technischen Entwicklungen dieser Zeit den alten tradierten Menschen Angst machen.
Eine weitere starke Frau ist Madame Vernet. Sie betreibt ein Hotel, das kurz vor dem Bankrott steht und kämpft. Sie sieht immer nach vorne. Immer nach vorn schauen. Durchhalten! Das ist ihre Devise.

Neben den straken Frauen in diesem Buch gibt es aber auch den kleinen britischen Polizisten Basil Fitz-Edwards der kurzerhand zusammen mit dem Duke of Avondale in Paris landet und den jungen Sohn des Thronfolgers beschützen muss. Doch, das ist gar nicht zwischen all den Morden so einfach. Ich fand ihn süß, ein bisschen naiv und einfältig, aber doch ganz niedlich.
Er trifft auch auf eine Frau, die sie erste ihrer Sorte zu sein scheint.
Dann gibt es viele kleine Randpersonen, die Luis, ein Angestellter, Charlotte Dupin, eine Angestellte des Hotels, berühmte Geheimagenten, ein Fotograph, der die Welt zum leuchte bringt und seine Bilder Geschichten verleiht und doch eigentlich nur viel Geld verdienen möchte und sich plötzlich auf der Folterbank wiederfindet und den deutschen Hauptmann Friedrich von Straten, dem eine ganz geheimnisvolle Aura umschwebt. Sie alle wollen etwas von ihm und sie alle scheinen mehr über ihn zu wissen, als er selbst. Er wird zur regelrechten Schachfigur in diesem Spiel der Mächte.

Der Schreibstil ist ganz eigen. Er schreibt als allwissender Erzähler in der dritten Person du doch kann er in die Personen hineingucken und ihre Gefühle und Gedanken sehen. Er wirkt wie ein großer Schatten über Paris, hat seine Augen und Ohren überall, aber kennt sie alle. Der Schreibstil ist teils wunderschön. Die Beschreibungen des Eiffels haben etwas Poetisches an sich und manchmal las ich einen Kapitelanfang und es war wie Musik in meinen Ohren. Doch manchmal musste ich auch zwei drei Seiten überblättern, weil es mir zu diplomatisch und politisch wurde.

Fazit:
Der Turm der Welt ist ein großes Werk, was ich auch jetzt noch nach dem Lesen kaum zu fassen bekomme. Eine sehr große schriftstellerische Leistung. Manchmal sehr anstrengend zu lesen und man muss sích durchquälen, aber man wird belohnt!


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