Freitag, 26. August 2016

Rezension zu Auf Null von Catharina Junk

Berührend.
 

Inhalt vom Buchrücken:

"Vielleicht ja, vielleicht nein. Lasst euch überraschen."

Gesund – aber nicht geheilt. Das ist Ninas Diagnose nach überstandener Leukämie.
Für die Zwanzigjährige klingt das wie: Freu dich bloß nicht zu früh. Ohnehin hat die Krankheit alles verändert. Mit ihrer besten Freundin Bahar ist sie zerstritten, ihr Bruder ist streng gläubig geworden, und Nina würde eher einem Hütchenspieler vertrauen als ihrem eigenen Körper. Dann lernt Nina Erik kennen und ist schneller in ihn verliebt, als ihre Angst vor einem Rückfall es erlaubt. Aber wie soll Liebe funktionieren, wenn einem der Mut zum Leben fehlt?

Ein mitreißender und lebensbejahender Debütroman.


Meine Meinung:

Es gibt viele Bücher über junge Menschen mit einer Krebsdiagnose. Der Markt ist voll davon und oftmals leiden wir mit und sind berührt.
Aber mir ist noch nie ein Buch in die Hände gefallen, was sich mit dem danach beschäftigt.
Und genau das hat mich an diesem Buch gereizt.
Nina hat den Krebs besiegt. Doch was ist mit allem anderen? Mit Freundschaften? Mit ihrem leben und sich selbst?
Diese Geschichte erzählt von ihren Hürden und Hindernissen, die es mit sich bringt, plötzlich wieder in die reale Welt hinaus katapultiert zu werden.
Hier gibt es keine weißen Krankenhauswände mit Bildern von Monet, nicht jede zweite Woche das gleiche Essen, der gleiche Schokoladenpudding.
Der geregelte Tagesablauf löst sich in Luft auf und plötzlich hat Nina alle Freizeit der Welt.
Sie darf leben.

Ich mochte Nina von Anfang an. Sie hat einen schwarzen Humor und betrachtet ihre Welt sarkastisch. Denn im Inneren ist sie ängstlich. Ja, sie hat Angst vor dem Leben. Denn die Rückfallquote ist hoch. Sie hat Angst sich wieder in die weite Blaue des Himmels zu verlieben, den saftigen grünen Rasen zu riechen - Spaß zu haben.
Denn es wäre ein grausamer Scherz, wenn sie dann zurück in die monotone Krankenhauswelt müsste.

Das Jahr im Krankenhaus hat an ihr gezerrt und sie äußerlich, wie innerlich komplett verändert. Es ist ein harter Kampf, den wir zu spüren bekommen und noch viel härter ist es, sich endlich zu trauen, zu sagen, man hat die Krankheit durchgestanden und darf wieder leben.

Zitat, Seite 44, Nina ist mit ihrem Wagen stehen geblieben und ruft den Abschleppdienst an:
"Hallo, mein Name ist Nina Schilder, und mein Auto geht nicht mehr." (...)
"Hat das nicht Zeit bis morgen?" (...)
"Nein, hat es nicht. Ich stehe hier irgendwo auf einer Landstraße und komme nicht weg."
(...)
"Es ist mitten in der Nacht."
"Oh, Entschuldigung. Da hab ich wohl aus Versehen die Zeitansage angerufen." Kurzes Stutzen am anderen Ende der Leitung.
"Dafür, dass Sie meine Hilfe wollen, sind sie aber nicht besonders nett."
"Und dafür, dass Sie sich Sofort-Abschleppdienst nennen, schleppen Sie nicht besonders sofort ab!"

Doch nicht nur Nina hat sich verändert, sondern auch ihre Eltern, ihr Bruder, ihre Freunde. Die Welt hat sich weitergedreht.
Und dann ist da noch dieser Junge. Sie will eigentlich gar nichts mit ihm zutun haben. Sie möchte nicht lieben und dann verschwinden und demjenigen Leid zufügen, aber sie darf sich auch nicht verkriechen.
Der Konflikt in dem Nina steht, hat die Autorin sehr gut eingefangen.
Humorvoll beschreibt sie Nina und ihre Umwelt. Nina nimmt sich selbst auf die Schippe und doch tobt in ihr drinnen ein verzweifelter Kampf.

Ich bin einfach nur begeistert, wie toll die Autorin uns in Ninas Welt und an ihren Gedanken teilhaben ließ. Es ist eben alles nicht so einfach.

Die Geschichte ist in zwei Zeitzonen geschrieben. Ein Kapitel ist im JETZT, nach Besiegen der Krankheit, und danach ein Kapitel im DAVOR, zur Diagosestellung und Bekämpfung, geschrieben. Beide Zeitzonen wechseln sich immer ab und harmonieren sehr gut miteinander.

Catharina Junk schreibt ehrlich und direkt. Sehr direkt. Sie bringt die Dinge auf den Punkt und beschönigt nichts. Ich habe das als sehr befreiend empfunden. Da ich selbst im Krankenhaus arbeite, konnte ich mich gut in die weiße Welt hineinversetzen.

Obwohl die ernsten Seiten immer wieder durchschimmern, der Kampf mit dem Tod und Selbstaufgeben deutlich hervortritt, ist das Buch nicht traurig. Im Gegenteil. Es schreit nach Leben und mit humorvoller Situationskomik und Ninas herrlicher Selbstreflexion musste ich immer wieder lachen und fühlte mich sehr gut unterhalten.

Zitat, Seite 107, im Wartezimmer:
Dort treffe ich auf andere, wie mich. Drei Glatzen, zwei Mützen, zwei gute Perücken, eine sehr schlechte Liza-Minnelli-Perücke und eine weitere Pudelfrisur. es ist eine große, dünne, blonde Frau, quasi Königspudel, ich dagegen: Zwergpudel.

Ich flog rasant durch die Handlung, ohne zu rasen. Die Charaktere wirkten authentisch und ich hatte das Gefühl alles direkt in meiner unmittelbaren Nachbarschaft zu haben.

Fazit:

Auf Null ist toll! Fröhlich, humorvoll, nimmt so manche Schicksalsschläge mit einem Augenzwinkern auf und vergisst doch nicht die besonderen, rührenden Momente zu vergessen. Wahnsinnig toller Schreibstil - frisch, ehrlich, direkt.
Der Titel passt wie die Faust aufs Auge - Auf Null - alles auf Anfang.
Ich habe meiner Freundin schon begeistert ein paar Szenen aus dem Buch vorgelesen, denn es hat mich auch danach noch lange beschäftigt.

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