Dienstag, 2. Februar 2016

Rezension zu Im Spiegel ferner Tage von Kate Riordan

Zwei verwobene Frauenschicksale
 

Inhalt vom Buchrücken:

London 1932: Als die 21-jährige Alice ungewollt schwanger wird, schickt ihre Mutter sie auf ein Gut im malerischen Gloucestershire, um den Namen der Familie zu schützen. Fasziniert von dem verwunschenen Anwesen erwacht in Alice Neugier, und sie erfährt von dem tragischen Los der einstigen Gutsherrin Elizabeth. Das Geheimnis um die schöne Frau berührt sie auf eigentümliche Weise, und Alice begibt sich auf Spurensuche. Sie entdeckt eine große Liebesgeschichte – und einen schlimmen Verrat …

Meine Meinung:

Dieses Buch hat eine ganz eigene Atmosphäre - melancholisch, düster, in Schweigen gehüllt - aber es bezaubert auch und wirft sein Licht auf vergangene Tage. Es ist geheimnisvoll, aber auch traurig, gleichzeitig fand ich den Aufbau und Elizabeths Schicksal auch faszinierend.

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich die Zeit, in der die beiden Frauen leben, sehr gut dargestellt fand. Zum einen von der Umgebung, den Möbeln und dem Alltag her, zum anderen von der Art und Weise wie Menschen miteinander umgehen, von ihren Sitten und Gebräuchen. Und obwohl zwischen Alice und Elizabeth nicht mal 50 Jahre liegen, bestehen in den beiden Zeiten, Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts Welten.

Alice verliebt sich in einen verheirateten Mann und wird in ihrer Naivität schwanger von ihm. Ihre Mutter ist darüber sehr schockiert und möchte nicht, das dieses frevelhafte Vergehen an die Öffentlichkeit gelangt. Daraufhin beschließt sie ihre Tochter ins weit entfernte abgeschirmte Fiercombe Valley zu schicken. Dort soll Alice das Kind austragen und anschließend zur Adoption freigeben.
Schweren Herzens fügt sich Alice in ihr Schicksal. Das Tal, in dem sie die nächsten 6 Monate verbringen wird, hat von Anfang an eine ganz eigene Atmosphäre an sich. Gegenüber London ist es still und leer. In dem großen Herrenhaus stehen antike Möbel, es zu viele leere Räume und gefährliche Treppen - es liegt ein Schleier der Einsamkeit und Dunkelheit darüber - es ist gespenstisch, auch an sonnigen Tagen.
Da Alice dort nur die Hauswirtschaftlerin Mrs. Jelps, eine sehr verschwiegene, misstrauische Frau und das Küchenmädchen Nan um sich habt, verliert sie sich recht schnell in geheimnisvollen Briefen. Sie findet Fragmente von Zetteln, Tagebücher, seltsame Gegenstände von Elizabeth aus den 1890er Jahren und beschließt ihrem Geheimnis auf den Grund zu gehen.

Es scheint als würden die Menschen um sie herum Elizabeth kennen - doch alle wenden die Blick ab und keiner will darüber sprechen.

Abwechselnd wird aus Alice und Elizabeths Perspektive erzählt, wobei mir die Passagen von Elizabeth weitaus besser gefallen haben. Es ist schwierig zu sagen, ob sie eine starke Frau war oder nicht. Man muss dabei immer die Zeit in der sie lebte bedenken. Ich finde es daher beachtlich, dass sie überhaupt so lange durchgehalten hat, andererseits frage ich mich jetzt im Nachhinein, ob es für sie nicht noch einen anderen Ausweg gegeben haben könnte.

Es geht leider sehr langsam mit der Lüftung des Geheimnisses voran. Ich fand manche Stellen teils sehr langatmig und irgendwie war ich von dem Ende gleichermaßen berührt wie enttäuscht. Berührt deshalb, weil die Auflösung etwas Liebevolles an sich hat, eine ehrliche traurige Wahrheit. Ich konnte mit Elizabeth mitfühlen und dann dieser letzte Funken mit ihrer Tochter - es war eine der schönsten Seiten, so voller Liebe und Wärme. Enttäuscht deshalb, weil mir schleierhaft ist, wieso darum, so ein großes Geheimnis gemacht wurde. Da hatte ich mehr Kabumm, und noch mehr Schock erwartet.

Das ganze Buch ist sehr still und leise. Es passiert nichts Aufregendes oder Dramatisches, aber ich wollte es lesen, weil der Schreibstil diese beiden Historien, das Schicksal einer Frau so schön einfängt. Ich las wie durch eine vintage Brille, und irgendwie sah ich die Bilder auch alle nur in sephia vor meinem geistigen Auge vorbeiflimmern.

Fazit:

Im Spiegel ferner Tage ist genau der richtige Titel. Wer gerne Frauenschicksale liest und Geheimnisse und düstere Momente liebt, der wird bei diesem Buch genau zur richtigen Lektüre greifen.

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