Mittwoch, 20. Januar 2016

Rezension zu Jane Eyre von Charlotte Brontè

Einfach nur toll! <3


Inhalt vom Buchrücken:

Nach einer entbehrungsreichen Jugend im Waisenhaus tritt die 18-jährige Jane Eyre eine Stelle als Gouvernante auf dem entlegenen Landsitz Thornfield Hall an. Mr. Rochester, Herr des Hauses, ist ein knorriger und verschlossener Mann. Dennoch entbrennt Jane in stürmischer Liebe zu ihm. Er aber scheint eine andere zu lieben. Außerdem gehen auf dem Anwesen in der wilden Moorlandschaft unheimliche Dinge vor sich ...

Meine Meinung:

Ich hatte vor Jahren schon einmal den Film dazu gesehen und dieser gefiel mir überhaupt nicht! Ich hatte den Inhalt und die Personen nur wage in Erinnerung, aber Jane war mir zu naiv, zu einfältig, und alles war so düster und überhaupt nicht romantisch - daher wollte ich Jane Eyre nie wirklich lesen.
Aber meine beste Freundin hat mich Gott sei Dank eines besseren gelehrt. Sie köderte mich zunächst mit wundervollen Zitaten, weshalb ich den Schreibstil aus dem Buch doch ganz reizend fand und schenkte mir daraufhin eine wundervolle Ausgabe mit den Worten: "...maximale Emotionen hervorruft, wenn anfangs nicht die Geschichte, dann mindestens die Sprache."

Ich höre gerade die Musik "Snow in August" aus Eine zauberhafte Nanny - meinem Lieblingsfilm und schwelge in den Erinnerungen an die zauberhaften Lesestunden zurück.
Ja, Jane Eyre hat bei mir maximale Emotionen hervorgerufen und zwar nicht nur sprachlich, sondern und vor allem auch inhaltlich.
Ich hatte mich gewaltig geirrt und sehr falsche Vorurteile gehabt, die ich nun alle kurzerhand über Bord geworfen habe.

Jane wächst im 19. Jahrhundert als Waisenkind bei ihrer Stieftante auf. Schon früh ist sie ganz allein auf der Welt und keiner scheint sie zu lieben. Ihre Tante Mrs. Reed hasst sie und ihr Cousin Mr. John verprügelt sie gern. Jane ist 10 Jahre alt und ein kleines kluges Geschöpf. Sie liest gern Bücher und wirkt so zart und zerbrechlich unter der Grausamkeit der hartherzigen Familie, in der sie leben muss. Nur die grobe Bessie kann ein wenig das Herz des Mädchens gewinnen.
Doch schnell war ich von Jane fasziniert. So jung sie auch war, sie wusste genau, wann ihr Unrecht widerfuhr und lies sich nicht klein reden. Sie sagte ihre Meinung geradeheraus und sprach, wenn sie etwas ungerecht fand ihre Gedanken laut aus. Ihr offenes und ehrliches Mundwerk hat mir wunderbar gefallen.
Mit 10 Jahren wird sie in das Mädcheninternat Lowood gesteckt. In der armseligen Schule herrscht Zucht und Ordnung. Disziplin steht an oberster Stelle. Ich war ganz schön erschrocken unter welchen Bedingungen die Schülerinnen dort lernen müssen. Doch Jane steht diese harte Zeit durch und gewinnt eine liebe Freundin.
Hach zwischen den beiden gibt es eine so herzzerreißende Szene, dass mir die Sicht verschwamm. Ich musste diesen Abschnitt wieder und wieder lesen und war so tief berührt von der jungen Jane Eyre - und gleichzeitig habe ich gedacht, das sich genau das gleiche für meine Freundin tun würde.
Ich denke bereits jetzt hatte ich mich in das Buch verliebt, obwohl Jane ja noch nicht mal auf Mr. Rochester gestoßen war.

Doch schließlich ist auch Jane einmal erwachsen geworden und tritt als Gouvernante ihren Dienst in einem großen düsteren Herrenhaus an. Ich kannte zwar den groben Faden der Geschichte, dennoch hatte ich große Freude daran, es zu lesen.
Jane unterrichtet ein kleines pinkes Zuckerpüppchen namens Adele, die lieber in rosa Rüschenkleidern über das Parkett schwebt als zu lernen, aber sie ist fröhlich und lacht und Jane kann nicht anders, als ihr eine unbeschwerte Kindheit zu wünschen.
Jane wird nicht als hübsch bezeichnet, eher gewöhnlich, nicht schön, aber doch wirkt sie ganz adrett und sympathisch. Ihr Haar trägt sie straff zurück gekämmt und dazu meist ein schlichtes schwarzes Kostüm. Sie ist nicht eitel und wünscht sich dennoch manchmal etwas hübscher zu sein.
Sie ist direkt und vorlaut, sagt was sie denkt, und sie denkt sehr modern, sodass sie sich wunderbar in unsere Welt eingliedern könnte, aber auch unglaublich stur und verrennt sich schnell in ihre eigenen Gedanken, obwohl sie sich doch damit nur selbst quält.

Jane in Gedanken zu sich selbst:
`Ja, ja - das Ziel ist so hochgesteckt nicht! Wenn ich nur ein Hirn hätte, das einfallsreich genug wäre, um sie entsprechenden Mittel und Wege aufzuspüren!´
Ich setzte mich aufrecht, um besagtes Gehirn in Gang zu bringen.
Seite 121

Der Reiz des Abenteuers versüßt jenes Gefühl, das Schwellen des Stolzes erwärmt es zusätzlich.
Seite 132

Eines Tages tritt Mr. Rochester in ihr Leben.
Er ist ziemlich barsch und grob. Auch er ist keinesfalls attraktiv. Er hat eine breite kräftige Stirn und sehr schwarze Augen. Oft trägt er einen mürrischen Zug um den Mund. Er ist nicht sehr groß und hat einen zu breiten Rücken für seine Gestalt. Er wirkt spöttisch und unnahbar, er verleiht sich selbst eine ihm ganz eigene Autorität und erteilt gern Befehle. nebenbei lässt er den Oberlehrer heraushängen, der auf seinen reisen auf dem Kontinent schon eine Menge erfahren hat und Gewiss ist ihm eines an Lebenserfahrung voraus. Aber Jane ist klug und kann sich in Wortgefechten ehr gut mit ihm duellieren.
Doch obwohl Mr. Rochester schon an die 40 ran ist und Jane taufrische 18 Jahre alt, verlieben sich die beiden ineinander.

Ich sah hin zu ihm; und es bereitete mir spürbare Freude, reines Gold, doch mit eiserner Spitze der Qual; ein Vergnügen, wie es der Verdurstende empfinden mag, der weiß, dass die Quelle, zu der er sich geschleppt hat, vergiftet ist, der sich dann dennoch hinabbeugt und das Wasser in himmlischen Zügen genießt.
Seite 249

Miss Ingramms Stellenwert lag unterhalb der Eifersuchtsmarke; sie war zu minderwertig, um diees Gefühl zu erzeugen.
Seite 265 (Das sollten wir uns immer merken, wenn wir mal wieder eifersüchtig sind, auf jemanden den wir eigentlich gar nicht leiden können)

Ich finde, es klingt unrealistisch. Aber es klingt wirklich nur so. Charlotte Brontè hat es geschafft, dass sich die beiden Charaktere so annähern, dass ich als Leser die Anziehungskraft, die zwischen den beiden bestand, förmlich spüren musste! Ich konnte es zwischen den Seiten knistern hören und mir war völlig klar das Jane und Edward zusammen gehören. Sie sind einfach das perfekte Paar- wahrscheinlich gerade weil sie so sind wie sie sind.

An dieser Stelle passt das Sprichwort aus Der kleine Prinz sehr gut: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Beide betonen immer wieder wie unattraktiv sie sich finden. Aber Mr. Rochester strahlt diese harte Männlichkeit aus. Und gleichzeitig hat er einen tollen Charakter. Er strotzt vor Stärke und quillt über zur Liebe zu Jane. Ich spürte seine Gefühle für sie. Sie waren unbändig, stark und verzweifelt. Ich war überwältigt, wie deutlich die Autorin seine Emotionen herausgearbeitet hat. Jane ist in seiner Hand ein Strohhalm. Ihr Körper ist zart und zerbrechlich, der eines Vögelchens, aber ihre Seele kann er nie bezwingen. Ihr Geist ist frei, ihre Augen können blitzen vor Zorn - er ist fasziniert von ihr, wie sie von ihm und seinen wirklich cleveren Spielchen, die mich völlig überraschten, sodass ich gleich ein ganzes Kapitel noch einmal lesen musste, um es nun aus einer ganz anderen Perspektive zu erfahren.

Doch nach der Ruhe kommt gewöhnlich der Sturm und Schatten ziehen über Thorndfield. Düstere Dinge gehen da vor und würde ich nicht den Grund bereits kennen, ich hätte mich gegruselt. Einfach erste Sahne.
Tiefer möchte ich an dieser Stelle nicht eindringen, aber die Wendung der Geschichte reißt unsere beiden wieder auseiander und mühsam müssen sie sich wieder finden - wenn sie es überhaupt wollen - und wenn sie es überhaupt schaffen.

Das Ende ist so schön! Sooooo schön! Das ist wirklich wahre Liebe. Ich habe in noch keinem Buch ein solch tolles Ende gelesen. Es ist weder gut noch schlecht, es ist eine wunderbare Realität, wie es im leben laufen kann.

Beide Charaktere laufen eine enorme Entwicklung durch. Mr. Rochester ist zum Schluss ein ganz neuer Mann und hat trotzdem seine alten Eigenschaften behalten und aus Jane ist eine selbstbewusste Frau geworden, die wirklich weiß was sie will und was wirklich wichtig im Leben ist.

Nebenbei gibt es noch ein paar andere Personen wie die nette Mrs. Fairfax, die Hausdame, die kleine süße Adele, ein kleines Prinzesschen, wie es sie in jedem Zeitalter gibt, Grace Poole, Mrs. Ingramm, Bessie, Mrs. Reed - sie runden das alles ab.

"Bin ich hässlich Jane?"
"Sehr, Sir. Aber das waren sie ja schon immer."
Seite 633 Jane und Mr. Rochester

Unverblühmte Ehrlichkeit zwischen den beiden. Sie nehmen sich gegenseitig auf die Schippe - tolle Dialoge!

Zusammensein heißt für uns, die Freiheit des Alleinlebens zu verbinden mir der Heiterkeit eines Lebens in Gesellschaft.
Seite 651

Der Schreibstil ist einmalig. Ich hatte schon viele Klassiker, wo ich es wirklich mit Hartnäckigkeit lesen musste, und auch eine Weile brauchte, bis ich mich in den Schreibstil hineingefunden hatte, aber hier muss ich der Übersetzerin ein wirklich großes Lob aussprechen. Ich fand es flüssig zu lesen. Eierseits verstand ich alles, auf der anderen Seite blieb das "altmodische" erhalten.
Die Landschaftsbeschreibungen sind sagenhaft. Ich hatte den Eindruck selbst durch den Nebel zu schreiten - aber was wirklich bewundernswert ist, wen es die Autorin schafft, zwei Personen so hautnah zu verbinden. Wenn sie es schafft, mich in die Welt zu entführen mit Höhen und Tiefen mit all ihren Schattierungen von Grau bis Gold, wenn ich das Lachen perlen höre und den Regen weinen, wenn der Wind um mein Haar rauscht und ich den bitteren Geschmack der Verzweiflung auf meiner Zunge spüre und die Süßen der Liebe auf meiner Haut prickeln - dann ist es ein grandioser Schreibstil.

Vergesst Mr. Darcy und Elisabeth!
Das neue Paar am Liebes- Klassiker-Himmel sind Jane und Mr. Rochester!

 
<3 Fiorella




Kommentare:

  1. Huhu :)
    Ohh ich liebe, liebe liebe Jane Eyre einfach!! Freut mich, dass es dir genau so gut gefallen hat wie mir :) Definitiv eins der besten Bücher die es gibt <3

    LG Sana

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  2. Huhu,
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