Donnerstag, 19. November 2015

Rezension zu Die steinerne Schlange von Iny Lorentz

Interessantes Thema, schwache Umsetzung
 

Inhalt vom Buchrücken:

Germanien im Jahre 213 nach Chr. Die junge Gerhild, Tochter eines Stammesfürsten, ist eine mutige und standesbewusste Frau. Als der römische Statthalter Quintus ihren Stamm aufsucht und sie zur Geliebten fordert, sind ihre beiden Brüder zu ihrem Entsetzen damit einverstanden. Sie will sich jedoch nicht in ein Schicksal fügen, das gleichbedeutend mit Sklaverei ist, und verlangt, dass der Römer um sie kämpfen soll. Da sie ahnt, dass ihre Brüder den Römer gewinnen lassen wollen, tritt sie selbst gegen ihn an. Was niemand für möglich gehalten hätte, geschieht: Die junge Frau siegt und blamiert Quintus damit vor ihrem Stamm und seinen eigenen Leuten. Der Römer will seine Niederlage nicht hinnehmen und sinnt auf Rache. Für Gerhild beginnt damit ein verzweifelter Kampf ums Überleben …

Hörbuchprobe:



Meine Meinung:

Ich habe schon einige Bücher von dem Autorenduo gelesen, aber noch kein einziges zur Zeit der Römer und Germanen, weshalb ich sehr neugierig auf das Buch war.
Auch mag ich starke weibliche Heldinnen.

Die steinerne Schlange ist der Limes. So wird der Grenzwall von den Germanen genannt, die viel ihren traditionsreichen Aberglauben in sich tragen. Bisher haben sie auch gut im Schatten der Schlange gelebt. Zwar mussten sie den Römern immer wieder Abgaben leisten, aber sie bekamen auch Geschenke.
Doch das ändert sich als der Feldherr Quintus auftaucht. Er hält sie Germanen für Barbaren und möchte sie unter die Herrschaft Roms Zwingen, das Volk der Sueben zu Sklaven machen und selbst in der Gunst des Caracallas steigen.
Als er im Dorf der Sueben ankommt, fällt sein Blick sofort auf die junge Gerhild, groß und schlank gewachsen mit langen wehenden blonden Haaren, und samt ihrem Trotz und ihrer Widerspenstigkeit reizt sie ihn und er beschließt sie um jeden Preis besitzen zu wollen.

Doch Gerhild ist ihren weiblichen Mitmenschen schon weit voraus. Während andere "Weiber" es als normal ansehen, dass sie vergewaltigt werden, wenn ein Mann sie erobert, ist Gerhild mehr wie ein Mann denn Frau.
Sie reitet sehr gut und zeigt Geschick mit dem Schwert. Sie sagt was sie denkt und kämpft für ihre Freiheit. Im Gegensatz zu ihren nichtstaugenden Brüdern liegt ihr das Anführerblut in den Genen.
Im Großen und Ganzen hat sie mir das auch sympathisch gemacht, doch manches fand ich dann doch zu unrealistisch. Die Bewohner bejubeln sie und obwohl sie eine Frau ist, wird sie schnell als Anführerin akzeptiert. Sie hat leichtes Spiel und besiegt all ihre Gegner, ja gewinnt sogar gegen einen gefürchteten Krieger ohne jede Kampferfahrung! Wenn sie wenigsten ein Kratzer abbekommen hätte...aber sie übersteht alles unbeschadet und das Ende war somit zu vorhersehbar für mich.

Was ich aber wirklich gut fand, war die tolle Geschichtsschreibung, um den Konflikt zwischen Römern und Germanen darzustellen. Immer wieder kam der Konflikt zur Sprache und als Leser kann man sich so vorstellen, wie das Leben um 230 nach Chr. ungefair gewesen sein könnte, zumal die Römer und kleinen Stämme der Germanen mit völlig unterschiedlichen Welten aufeinander prallen.

Leider fehlte mir aber einfach zwischen den Charakteren Gefühl. Zwar kommt Julius mit ins Spiel, den ich auch mochte, da auch er den ganz so männlich denkt wie seine Mitgenossen, dennoch fand ich ihn dann wieder zu unterwürfig und weich und er hat Gerhild wirklich alles alleine machen lassen. Sie tanzt allen auf der Nase herum, kommt mit allem durch und von Liebe habe ich absolut nichts gespürt.
Mir fehlte da einfach etwas erdhaftendes, Realität, die Verbundenheit untereinander.

Der Schreibstil ist flüssig zu lesen, und konnte mir viel Geschichtliches unterhaltsam nähe bringen. Aber Emotionen hat er bei mir nicht geweckt und ich bin daher mehr enttäuscht, weil es bessere und spannendere Bücher von Iny Lorenz gibt.

Fazit:

Wer mehr über die Zeit der Römer, Germanen und das Verschieben des Limes erfahren möchte und starke Heldinnen sucht, die alles im Alleingang schaffen, wird hier dran seine Freude haben. Bei mehr Perspektive und Tiefe aber, sowie ein Funken mehr Realität - der sollte sich nach anderem Stoff umsehen.


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