Montag, 5. Oktober 2015

Rezension zu Scherbenmädchen von Liz Coley

An einem Abend ausgelesen!


Inhalt vom Buchrücken:

Angie ist dreizehn Jahre alt, als sie entführt wird. Erst drei Jahre später taucht sie wieder auf. Sie kann sich an nichts erinnern. Auch nicht daran, woher die Narben an ihren Fußgelenken stammen. Kleine Frau, Pfadfinderin und Engel könnten ihr helfen, die Vergangenheit Stück für Stück wieder zusammenzusetzen. Denn jede von ihnen trägt einen kleinen Teil von Angies dunklem Geheimnis in sich. Doch sie wissen, dass Angie das gesamte Ausmaß des Erlebten nicht ertragen kann. Sie würde zerbrechen - Ein spannender Psychothriller!

Meine Meinung:

Ich lese ja eigentlich keine Thriller, aber hier hat mich der Klappentext und die gute Bewertung einfach so gereizt, dass ich es lesen musste.
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.
Das Buch hat mich geflasht!
Gestern Abend gegen 7 Uhr begann ich in die ersten Seiten hinein zuschnuppern und konnte es dann nicht mehr weglegen. Ich lass und las und klappte es dann kurz nach Mitternacht zu.
Schon lange habe ich ein Buch nicht mehr in einem Rutsch durchgelesen, aber Angie und ihre Geschichte hat mich einfach nicht losgelassen.

Beim Zelten wird die 13- jährige Angie entführt und taucht drei Jahre später vor ihrem Elternhaus wieder auf. Zunächst sind ihre Eltern in heller Freude, doch schnell stellt sich heraus, für Angie ist seitdem kein Tag vergangen.
Sie denkt immer noch sie ist 13 Jahre alt und war erst gestern mit ihren besten Freundinnen Livvie und Katie zelten. Sie versteht den ganzen Aufruhr um sie nicht, weiß nicht, was passiert sein soll. Sie ist doch unmöglich 16 Jahre alt!
Doch ihr Körper spricht eine andere Sprache. Ihre Haare sind länger, sie hat plötzlich einen Busen und fürchterliche Narben an den Füßen und Händen, die nur von Metallketten stammen können. Nach einer Untersuchung steht fest. Angie wurde Jahre lang gefangen gehalten, musste körperlich schwere Arbeit leisten und wurde körperlich missbraucht.
Doch sie kann sich an nichts erinnern.

Angie leitet an der psychischen Erkrankung der Dissoziation. Ein Teil ihres Bewusstseins spaltet sich ab, sie erleidet einen vollständigen Realitätsverlust. Auf diese Weise konnte sie sich vor den traumatischen Ereignissen seelisch schützen. In den verschiedensten Situationen ihrer Gefangennahme hat eine Alternativpersönlichkeit ihren Körper übernommen. Das geht soweit, dass sie in dem einen Moment noch ganz klar bei sich ist und im nächsten Moment sich 3 Stunden vergangen und sie weiß nichts davon, weil eine andere Persönlichkeit von ihr Besitz ergriffen hat. Diese Teilpersönlichkeiten können ein unterschiedliches Alter, Geschlecht und Vorlieben haben.
Gemeinsam mit ihrer Therapeutin Dr. Grant versucht Angie ihre Erinnerung zurückzuholen und all ihre Persönlichkeiten in sich zu vereinen.
Die Dissoziation ist ein Selbstschutzmechanismus des menschlichen Bewusstseins.
Doch bei der Aufarbeitung muss Angie schon bald feststellen, dass sie schreckliche Dinge durchlebt hat.
Um ihre Gefangenschaft zu überstehen gibt es da in ihr die Pfadfindern, Kleine Frau, Petze und Engel. Sie alle tragen einen kleinen Teil ihrer Vergangenheit in sich und sie alle zusammen können aber auch dazu führen, dass Angie an der Wahrheit zerbricht - denn vielleicht, ganz vielleicht ist es besser, wenn sie sich nicht an alles erinnern kann, was ich widerfahren ist...

Ich finde die Autorin hat diese knifflige Thematik sehr gut umgesetzt. Obwohl diese Geschichte hochkompliziert ist, hat sie alles gut und leicht verständlich in einen Roman umgebaut. Umrahmt ist das alles auch von Angies Wiedereinleben in die Gesellschaft. Denn anscheinend haben sich alle außer sie verändert. Ihre Freunde gehen nicht mehr in die 8., sondern 11. Klasse, und ihr Vater ist innerlich zerbrochen.
Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr leicht gefallen. Die Autorin legt sofort das Potenzial der Geschichte in die ersten Sätze. Mich packte sofort die Spannung und Stück für Stück erforschte ich gemeinsam mit Angie ihr Leben.
Doch nicht nur ihre Vergangenheit ist schaurig, auch seit sie wieder da ist, gerät sie in die Hände von Verbrechern - und das bei scheinbaren Bewusstsein, weil sich ihre Persönlichkeiten immer näher annähern.

Ich fand es faszinieren, wie die Autorin das gestrickt hat. In Form von Briefen oder Aufnahme spricht eine andere Angie aus ihr - doch nicht nur dieser Teil konnte mich überzeugen, sondern die vielen Überraschungen, die besonders am Ende nochmal kamen.
Kaum glaubte ich als Leser ihre Geschichte zu kennen, tauchten neue schockierende Details auf. Das Ende hat mich berührt und ich muss immer noch schlucken, wenn ich bloß daran denke. Das ist einfach so herzzerreißend, ich muss einfach immer wieder darüber nachdenken.

Der Schreibstil hat mich gefesselt. Liz Coley hat mich an ihre Seiten gebunden und nicht mehr losgelassen. Die Art und Weise wie das Buch aufgebaut ist, spiegelt sich auch in verschiedenen Schriftarten wieder und ich kann es nur widerholen. Ich bin von der Dissoziation fasziniert. Das hat sie so geschickt, so authentisch und interessant in einen Roman über einen Teenager eingeflochten -ich komme aus meinen Lobhymen nicht heraus.
Und das schöne ist, dass ich dabei wirklich nachdenken musste, besonders als es am Ende ziemlich verwirrend wurde.

Fazit:

Scherbenmädchen ist ein klasse Buch und für jeden, der sich ein bisschen für Psychologie interessiert, genau das Richtige!

1 Kommentar:

  1. Hey Fiorella, :)
    wow! Das klingt wirklich spannend und sehr interessant. Das Buch werde ich gleich mal auf meine Wunschliste schreiben. :) Danke für die tolle Rezi. :)

    Liebe Grüße,
    Marina

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