Samstag, 11. Juli 2015

Rezension zu Das Phantom von Susan Kay

Ich bin so glücklich, dass ich es habe!!!! Toll, einfach ein Wunder, dieses Werk.



Inhalt vom Buchrücken:

«Ich bin nicht in Versuchung. Ich bin nicht mehr allein in der Finsternis. Vor meinen Augen sehe ich tausend kleine Teufel, die schwarze Kerzen entzünden am Rand des Weges, der zum blendend schönen Abgrund führt. Eine kühle Brise lässt meinen Umhang wehen wie die Schwingen des Todesengels, wie einen dunklen hochaufragenden Schatten, aufsteigend wie der Phönix aus der Asche, böswillig, allmächtig ...»

Meine Meinung:

Kann Spoiler enthalten.

Ich habe die erste Seite gelesen und wusste bereits, das mich dieses Buch begeistern würde!

Das Phantom von Susan Kay ist ein Meisterwerk und gefällt mir so so gut, dass ich es zu meinen Lieblingsbüchern zählen werde. Es ist eine historische Biographie über das Phantom der Oper.
Die Autorin selbst schreibt, dass das Originalwerk von Gaston Leroux sie so fasziniert hat, dass seine Geschichte sie einfach nicht loslassen konnte. Und gleichzeitig werden im Phantom der Oper so viele Fragen über Erik aufgeworfen, dass man einfach mehr über ihn erfahren möchte! Somit wagte sich Susan Kay an diese Herausforderung, reiste herum und recherchierte und schuf für uns eine wundervolle, tränenrührende Biographie über Erik, das Phantom. Und ich bin wirklich sehr sehr froh, dass sie dies getan hat.
Sie hat es wirklich sehr gut  und ausführlich recherchiert und ich werde es bestimmt noch öfter lesen.

Die Geschichte des Phantoms wird aus dem Blickwinkel seiner verschiedensten Wegbereiter erzählt. Wir beginnen bei Madeleine, seiner jungen verwöhnten Mutter, der das Schicksal arg einen Streich gespielt hat. Wir begleiten Eriks Geburt und wie er bei seiner Mutter aufwächst. Allein dieses Kapitel griff mir ans Herz und bildet einen sehr starken Kernpunkt in seiner Vergangenheit.
Ich finde Madeleines Persönlichkeit wunderbar und passend ausgearbeitet. Sie liebt ihren Sohn, auch wenn sie ihn gleichzeitig hasst. Ich konnte ihre Gedanken sehr gut nachvollziehen und doch war ich manchmal ganz schön sauer auf sie, dass sie nicht über ihren Schatten bringen konnte. Ihre beste Freundin wäre ein viel bessere Mama für den kleinen musikalischen Erik gewesen.

Madeleine:
Erst war ich sein Kerkermeister gewesen; jetzt war er meiner. Ich fühlte mich, als sei ich in ein Grabmal eingeschlossen, um die Mumie eines kindlichen Pharao zu bedienen.
Seite 25

Doch mit etwa 9 Jahren läuft Erik davon und muss schon in jüngster Kindheit erfahren, was sein Gesicht bedeutet. Er wird wie ein Tier in einen Käfig gesperrt, wird zur Hauptattraktion eines Wanderzirkus, zieht mit den Zigeunern durchs Land und trotz all dieser Leiden ist er so intelligent, dass er sich so viel Wissen wie möglich anhäuft und schon bald beginnt zu handeln.

Erik:
Meine Kindheit war zu Ende, und die Welt rief nach meinen einzigartigen Talenten. Ich hatte gerade erst nagefangen, das riesige Reich meines Geistes zu erforschen, und jetzt dehnten sich seine weiten Grenzen wie ein ferner Horizont vor mir aus.  (...)
Wie Adam hatte ich vom Baum der Erkenntnis gegessen. Die Ketten des Gewissens, mit denen ein Gemeindepfarrer mich zu fesseln versucht hatte, waren unwiederbringlich zerbrochen. Ich hatte die Furcht vor dem Tod verloren und damit auch jeden Respekt vor dem Leben anderer.
Der Tod war die einzige Macht und ich sein eifriger, bereitwilliger Helfer.
Seite 102


Seine Reise geht weiter und schon bald findet er eine Vaterfigur, der ihn nicht nach seiner Maske fragt, sondern ihn so akzeptiert wie er ist. Oh Erik ist in jungen Jahren ein toller Mann, geheimnisvoll und ich gestehe, ich habe mich auch ein bisschen durch die Seiten hinweg in ihn verliebt.
Doch sein neu gefasstes Vertrauen in die Menschen wird schon bald durch ein verheerendes Ereignis und einer Kette an unglücklichen Zufällen gestört.
Was mich wirklich traurig machte.

Giovanni:
Wenn ich mich in Lucianas Lage versetzte, konnte ich leicht die archaische Anziehungskraft seiner fast königlichen Würde begreifen, die eigenartige hypnotische Ausstrahlung seiner einzigartigen Stimme. Ich beherbergte einen jungen Prinzen der Finsternis unter meinem Dach.
Seite 132

Ich konnte Erik sehr gut verstehen, sein Handeln nachvollziehen und wollte ihn doch nur einmal in den Arm nehmen. Seine Reise führt ihn nach Persien zum Schah, wo er die Zügel immer in der Hand behält und einen sehr guten Freund, Nadir gewinnt. Auf der einen Seite lernen wir Erik als den kennen, als der er für die meisten am geläufigsten ist. Er ist grausam und kaltblütig, tötet aus Vergnügen, ist der begabte Magier, spielt mit seinen Talenten, verführt und erschreckt, aber er kann auch sehr lieb und herzerwärmend werden. Er hilft Freunden und kranken Kindern, rettet Leben, spielt, macht Späße und könnte so vollkommen sein, wenn die Menschheit ihn nicht wegen seines Aussehen so verurteilen würden.

Nadir:
Dieser Mann war nicht nur der größte Zauberer, der bemerkenswerteste Bauchredner und der begnadetste Musiker, den ich je gesehen hatte. Er war auch der kaltblütigste Mörder. Nur ein selbstmörderischer Narr würde ihn anders als mit größtem Respekt behandeln.
Seite 174

Ich spürte genau, in welchem Augenblick Erik beschloss, uns aus seinem Bann zu lassen. (...) an diesem Tag hätte ich ihn als den gefährlichsten Mann der Welt erkannt.
Seite 182

Und nachdem Erik so durch die Welt reiste, eine schlechte Erfahrung sich an die andere reihte und alle in ihm nur die lebendige Leiche sahen, verkroch er sich schließlich in einer Pariser Oper, baute sich sein eigenes Grabmal tief unten in der Erde und kapselte sich von der Menschheit ab, bis Christine in sein Leben tritt.
In diesen letzten Zügen habe ich noch einmal die Geschichte aus Das Phantom der Oper gelesen, aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei mir diese Sicht viel besser gefallen hat als von Gaston Leroux. Auf der einen Seite war natürlich die Sprache verständlicher, aber wir hatten jetzt auch das nötige Hintergrundwissen zu Erik. Ich bin schon der Meinung das er als das Phantom wirklich gruselig ist und sich zum negativen gewendet hat, aber wie wären wir selbst in seiner Lage gewesen?

Er möchte doch nur wie ein Mensch behandelt werden. Nur einmal im Leben freiwillig berührt und geküsst werden und das spüren, was für die Menschen so alltäglich ist und nur ihm verwehrt bleibt.
Er hätte die ganze Welt regieren und manipulieren können und alle Macht und Reichtum haben wollen, aber das was er wirklich brauchte - Liebe - blieb ihm verwehrt.

Hach, an dieser Stelle habe ich herzlich gelacht: Christine
"(...) Nein, bitte, trockne deine Tränen und schneuze dir die Nase, meine Liebe. Du weißt, ich kann es nicht ertragen dich weinen zu sehen."
"Ich kann", stammelte ich, nervös in meinen Taschen suchend, "ich kann mein Taschentuch nicht finden. ich muss es verloren haben, als wir über den See ruderten. Hast du ein Taschentuch, Erik?"
Er sah mich so traurig an, das ich mir meine linkisch, stotternde Zunge hätte abbeißen mögen.
"Ich habe nicht viel Verwendung für Taschentücher, meine Liebe. Du siehst, es hat gewisse Vorteile, keine Nase zu besitzen."
Seite 350

Und noch eine Szene, in der Eriks Humor zur Geltung kommt:
"Der Kronleuchter...", wiederholte sie dumpf. "Oh, Gott...Erik...Willst du damit sagen, das mit dem Kronleuchter sei kein Unfall gewesen?"
"Du glaubst doch wohl nicht, dass er so freundlich war, aus eigenem Antrieb von der Decke zu fallen, oder?"
"Ja, aber er muss Menschen getötet haben!"
"O ja. Ich denke, das ist sehr wahrscheinlich. Es ist sehr schwierig, ein richtiger Mörder zu sein, ohne von Zeit zu Zeit Leute umzubringen, weißt du?"
Seite 378

Mir hat der Schreibstil von Susan Kay sehr gut gefallen. Es war durchweg flüssig zu lesen, bildhaft und anschaulich beschrieben und ich klebte durchweg an den Seiten. Ich bin von ihrem Werk einfach fasziniert und liiieebe es. Alle Charaktere sind einfach soo liebevoll und die ganze Handlung ist sehr durchdacht aufgebaut, dass auch am Ende immer wieder Schlüsselmomente zum Anfang auftauchen und obwohl Erik in seinen Jahrzehnten immer mal wieder woanders war und immer mal wieder ein anderer Freund über ihn berichtet, so sind die einzelnen Kapitel doch wunderbar miteinander verwoben, bauen aufeinander auf und hängen fließend zusammen.

Fazit:

Ich danke Susan Kay, dass sie dieses Buch geschrieben hat! ich war immer fasziniert von dem Phantom und ihr Buch war mir ein Geschenk, dass mich glücklich machte und ich werde es immer mal wieder lesen, mir immer wieder schöne Stellen, besondere Momente, zauberhafte Augenblicke herauspicken - einfach weil sie dem Phantom so viel Leben, Freude und Leid eingehaucht hat, dass ich immer noch von ihrer Schaffenskraft überwältigt bin.
Danke Susan Kay, dass du dieses Buch geschrieben hast und danke liebe Jasi, dass du mir dieses Buch empfohlen hast! :-)


Kommentare:

  1. ich kann dich so gut verstehen. mir hatte das buch damals auch unheimlich gut gefallen - traurig, aber ganz toll!!!
    lg von der numi

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  2. Awwww du bist so süß! *---*
    Es freut mich wirklich riesig dass dir das Buch so gut gefallen hat und die Rezension ist fantastisch geworden. Hätte ich mich nicht schon in das Buch verliebt, wäre es spätestens jetzt passiert. ^-^
    Ich werde mir heute noch den Film zu 'Das Phantom der Oper* kaufen und ich bin schon sehr gespannt darauf. Er wird sicher wundervoll werden! :)
    Und natürlich habe ich dir das Buch sehr gerne empfohlen! ♥ :)

    Fühl dich ganz lieb gedrückt! :)
    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. Ahh danke schön. Fühl dich ganz doll gedrückt!
      Der Film mit Gerad Butler ist toll! er wird dir bestimmt gefallen.

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  3. Hey :)
    ich hab schonmal überlegt ob ich das Buch lesen soll...hab weder Film noch Musical gesehen... ich habe deine Rezension jetzt nicht gelesen,da sie ja Spoiler enthalten kann...aber dein Fazit hat mich fast überzeugt :D
    Liebe Grüße

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