Donnerstag, 18. Juni 2015

Rezension zu Die Worte der weißen Königin von Antonia Michaelis

Traurig, berührend, herzergreifend.
 
 

Enthält Spoiler!

Inhalt vom Buchrücken:

Niemanden beneidet Lion mehr als die Seeadler, wenn er sie beobachtet, wie sie hoch am Himmel kreisen, frei und glücklich. Bei ihm zu Hause, in dem Dorf an der Ostsee, gibt es nicht viel, auf das man neidisch sein könnte. Immer häufi ger verwandelt sein Vater sich im Alkoholrausch in den gewalttätigen schwarzen König. Als Lion es nicht mehr aushält, flüchtet er in den Wald zu den Adlern. Doch das Leben dort ist hart, und immer wieder denkt Lion an die weiße Königin, die alte Frau, die ihm einst so wunderbar vorgelesen hat. Durch sie hat er den Zauber der Worte, ihre Wärme und Kraft entdeckt.


Meine Meinung:

Ich finde das Cover wunderschön. Ich finde, das muss an dieser Stelle einfach mal gesagt werden und wie der Junge auf den Bäumen hockt, finde ich, passt es auch perfekt zur Geschichte.

Antonia Michaelis hat sich mit diesem Buch einem sehr sensiblem Thema gewidmet.
Lion lebt mit seinem Vater allein auf einem kleinen Hof in ärmlichen Verhältnissen. Seine Mutter hat ihn verlassen und ist in den Westen gegangen. Lion wächst nicht wie andere Kinder auf, die mit Autos spielen oder im Sandkasten Burgen bauen. Stattdessen wühlt er im Kompost nach Essen, hilft seinem Vater Rehe zu häuten, geht mit ihm auf die Jagd und weiß wie man mit einem Messer umgeht, bevor er Lesen lernt.
Sein Vater ist müde und erschöpft vom Leben. Er arbeitet viel in einer Werft und kann sich nicht um Lion kümmern. Als er seinen Job verliert, da beginnt sich sein Charakter zu verändern. Er trinkt immer mehr und vernachlässigt seinen Sohn. Lion zieht sich zurück und flüchtet in die Kirche, wo eine alte Frau mit weißem Haar den Kindern wundersame Geschichten vorliest. Lion klebt an ihren Lippen. Diese lieblichen Worte, zauberhaften Klänge und sanften Melodien berühren sein Herz. Und während sein Vater sich zu Hause immer mehr verändert und dort nur die Dunkelheit, der Schmerz und die Angst auf ihn warten, so erfüllen ihn die Geschichten der weißen Königin mit Licht.
Schließlich vergisst sich sein Vater immer häufiger, schlägt Lion mit dem Ziegenstrick oder Holzscheiten, brüllt ihn an.
Der kleine Lion keine 10 Jahre alt beginnt sich vor ihm zu fürchten. Und manchmal ist es wirklich gut, dass unser Gehirn Schutzmechanismen hat, um unsere Seele vor manch schrecklichem Unheil zu schützen. Denn wenn immer sein Vater betrunken ist, dann ist für ihn sein Vater fort und der schwarze König hat seine Stelle eingenommen. Manchmal gibt der schwarze König seinen Vater wieder frei, der sich dann schämt und ihm alles Leid tut, doch mit der Zeit verschwindet er ganz und nur noch der schwarze König zu Hause. Vor dem Lion sich fürchtet.

Derweil geht die weiße Königin auf eine lange Reise. Ohne ihre schützenden magischen Worte fühlt sich Lion ganz verloren. Sein kindliches Gedächtnis zaubert seine Schwester herbei. Olin. Sie taucht immer mal wieder auf und er spricht mit ihr. Lion erkennt nicht dass er mit einem Geist spricht, obwohl sie ihm im Spiegel anblickt, mit den Adlern fliegt und selbst im Keller auftaucht, als er dort vom schwarzen König eingesperrt wird. Mit ihr gelingt es dem kleinen Jungen seine Erlebnisse aufzuarbeiten.
Und schließlich flieht er.

Gemeinsam mit Olin und seinem Seeadler lebt der 10-Jährige Olin fortan im Wald und versteckt sich vor seinem Vater. Er stiehlt Essen, unterhält sich mit Olin, doch der Schwarze König ist ihm dicht auf den Fersen...

Das Ende war ich wirklich sehr aufregend. Ich musste heulen und war ehrlich ergriffen. da ist diese eine Szene, die mich wirklich fertig machte und mir die Tränen aus den Augen trieb. Überhaupt ist Lions Schicksal einfach nur traurig. Er erlebt unterwegs sehr viel zusammen mit dem Seeadler und Olin und immer mal wieder sucht der Schwarze König ihn in seinen Träumen heim.
Ich finde es einfach so traurig, wenn man sein Schicksal von außen betrachtet. Ein Junge, der ganz allein mit einem Adler lebt, der Seeadler sein treuer Beschützer, ein Junge, der sich mit der Luft unterhält, weil er darin seine Schwester sieht, eine Person, die zu ihm gehört, zu seiner nicht intakten Familie, die sein Leid teilt, ein Junge, der immer wieder Angst hat und in bestimmten Momenten, die seine schlimmsten Erinnerungen wachrufen, durchdreht...

Das Ende hat mir aber sehr gut gefallen. Ich bin froh, dass es so gekommen ist.

Der Schreibstil von Antonia Michaelis wirkt auf mich sehr poetisch und wer ihre Bücher kennt weiß, dass man nicht immer sofort weiß, was fiktiv ist und was die Realität. Sie schafft es immer beide Welten gekonnt miteinander zu verweben. Sie schreibt durchweg aus der Sicht von Lion, der Sicht eines Kindes, der sich seine Umwelt so gestaltet, dass er überlebt, der die Welt anders sieht und hört als Erwachsene, was auch gut so ist.
Die Spannung war dagegen eher gemäßigt. Ich fand erst im letzten Drittel konnte mich die Geschichte so richtig packen und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen.

Fazit:

Mit hat Die Worte der weißen Königin sehr gut gefallen. Ich finde die Thematik sehr ernst und traurig, die Umsetzung ist aber absolut genial.


Kommentare:

  1. Hey :)
    Das Buch steht schon auf meiner Wunschliste, nach dem Märchenerzähler möchte ich gerne mehr von ihr lesen, da sie so speziel schreibt....
    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Das ist schön. Ja ich finde "Solange die Nachtigall singt" und "Niemand liebt November" klingen auch gut.

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    2. ja :) Auf die habe ich auch ein Auge geworfen. Ich hab noch die Nacht der gefangenen Träume von ihr auf meinem SuB, allein schon das Cover und der Titel haben mich neugierig gemacht^^ Kennst du des auch ?

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    3. Aber das Cover habe ich schon mal gesehen, das hat auch schon etwas unheimliches an sich.

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    4. ja, passt bestimmt gut zur Geschichte ;)

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