Donnerstag, 25. Juni 2015

Rezension zu Das Phantom der Oper von Gaston Leroux

Anders als gedacht und doch sehr spannend!
 
 

Inhalt vom Buchrücken:

Unheimliche Vorfälle erschüttern das altehrwürdige Pariser Opernhaus. Ein Phantom soll in den düsteren Katakomben des Hauses sein Unwesen treiben! Als die junge Sängerin Christine spurlos verschwindet, macht sich der junge Vicomte Raoul auf, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Doch bald muss er um die Liebe seines Lebens kämpfen.
Gaston Leroux Das Phantom der Oper, ein von phantastisch-unheimlichen Momenten durchdrungener Roman wirkt authentisch und unglaublich nahe. Nicht umsonst inspirierte er Andrew Lloyd Webber zu dem erfolgreichsten Musical aller Zeiten.

Filmtrailer



Meine Meinung:

Zuerst verliebte ich mich in die Musik vom Phantom der Oper. Dann sah ich das Musical und schaute mir den Film an. Daher kannte ich die Geschichte und Grundhandlung schon vor dem Lesen. Ich finde sie nach wie vor spannend, romantisch, gruselig und einfach fantastisch!

Dennoch hatte ich am Anfang ein paar Schwierigkeiten mich in die Geschichte einzufinden. Die Erzählperspektive war für mich zunächst ungewohnt, aber nachdem ich ein paar Seiten gelesen hatte, habe ich mich schnell eingewöhnt und dann ging es flüssig weiter.
Gaston Leroux schreibt als Ich- Erzähler. Er selbst ist aber keine aktive Figur in dem Roman, wie in den heutigen Ich- Erzählungen, sondern mehr ein Beobachter und hat die Sichtweite eines personalisierten Erzählers.
Er steigt damit ein, dass er begründet, dass das Phantom tatsächlich existiert hat, er führt Beweise an und im Laufe seiner Ausschweifungen rutschen wir so ein Pariser Opernhaus hinein. Und genauso langsam gleitet er auch wieder aus der Geschichte hinaus und rundet sein Werk damit ab, dass er ja nun bewiesen hat, dass das Phantom wirklich existierte.

Wir begleiten durchgängig Raoul, den Vicomte de Chagny. Er ist ein Jugendfreund von der jungen Sängerin Christine Dàae. Er kannte ihren Vater und gemeinsam haben sie früher auch gespielt und seinen Geschichten gelauscht. Nun sind sie beide erwachsen und er sitzt in den Zuschauerrängen, während sie auf der Bühne tanzt.
Doch plötzlich rückt sie ins Rampenlicht vor und singt mit einer so magischen Stimme, die nicht als menschlich zu erklären ist.
Das Phantom singt durch ihr. Sie ist sein Engel der Muse.

Die Handlung nimmt seinen Lauf.
Das Phantom, Erik liebt Christine und möchte sie heiraten. Er möchte nicht mehr unter der Erde leben, sondern eine Frau haben, Sonntagsspaziergänge machen und wie ein normaler, nicht hässlicher Mann leben.
Und das ist Erik wirklich. Sein Gesicht ist ein Skelett mit tiefen Augenhöhlen. Er hat weder eine Nase, noch einen Mund, der als solcher zu bezeichnen wäre. Er riecht nach dem Tod und versetzt das ganze Opernhaus in Angst und Schrecken. Doch Christine liebt Raoul.

Joseph Buquet beschrieb das Phantom folgendermaßen:"Es ist ungeheuer dürr. Sein Frack schlottert um sein Gerippe. Seine Augen liegen so tief, dass man die starren Pupillen kaum erkennen kann. Eigentlich sieht man nur zwei große schwarze Löcher, wie in Totenschädeln. Seine Haut, die sich wie ein Trommelfell über das Knochengerüst spannt, ist nicht weiß, sondern schmutzig gelb; die Andeutung seiner Nase ist im Profil unsichtbar, ja die Abwesenheit seiner Nase bietet einen fürchterlichen Anblick. Drei bis vier lange braune Strähnen auf der Stirn und hinter den Ohren stellen den ganzen Haarwuchs dar."
Seite 13

Immer wieder versucht das Phantom durch Entführungen, Flehen und Bitten Christines Herz für sich zu gewinnen, doch alles was er von ihr bekommt, ist tiefes Mitleid.
Ich muss sagen, dass die Grundzüge der Handlung sehr dem Musical/ Film ähneln, allerdings erleben wir in der szenischen Darstellung die Entführung durch dunkle Gänge, auf einem Schimmel und Kahn und Christines Zeit beim Phantom zu Hause aktiv mit. Wir sind mehr mit Christine verbunden und gewinnen den Eindruck, dass sie wirklich Gefühle für das Phantom hat. Raoul wird nur zu einer Randfigur.
Doch im Roman ist es genau anders herum. Wir erleben Raouls Gefühlswelt eindringlich und sehr intensiv, hören seine Gedanken, spüren seine Sehnsüchte und Ängste. Er ist die Hauptfigur und nur er ist das Bindeglied zum Phantom.
Denn alles was Christine mit Erik erlebt, erzählt Christine ihm. Daher bekommen wir  nochmal eine ganz andere Perspektive auf die Geschichte.
Außerdem verstehen wir vieles viel besser und können nun auch die Beziehungen, die Christine zu Raoul und Erik hat, besser einschätzen.

Der Roman ist eine wunderbare Mischung aus Liebes- und Schauerroman. Den Anfang fand ich noch etwas trocken, aber nach und nach wurde das Leben im Pariser Opernhaus bunter. Maskenbälle, ängstliche Balletttänzerinnen, Szenen bei Erik Zu Hause, die Szene mit dem Spiegel, Morde - von Seite zu Seite wird es immer spannender.
Das Ende war dann wirklich actionreich, aber auch sehr traurig und berührend und ich habe wirklich Mitleid mit dem Phantom bekommen.

Nachdem Christine ihm die Maske abreißt:
"Schau hin! Du hast es sehen wollen! Sieh es dir an! Weide deine Augen, berausche deine Seele an meiner verfluchten Hässlichkeit! (...) Es genügt dir wohl nicht mich zu hören, was?"
Seite 174

Erik ist wirklich sonderbar, aber ich kann ihn auch sehr gut verstehen. Auf der einen Seite möchte der Christine die Welt zu Füßen legen, ihr alles geben, was sie sich wünscht, aber er ganz auch ganz schnell wütend und fuchsteufelswild aufbrausend und gefährlich werden. Er ist wirklich wie ein Irrer, der seine Liebe entführt und sie bei sich gefangen halten möchte, dabei sehnt er sich doch nur nach Liebe trotz seines scheußlichen Antlitzes.

Was mich ganz entzückte war, dass Gaston Leroux in seinem Roman das Märchen vom König Blaubart erwähnt, der seiner Frau den Zutritt zu einer Tür verbietet und sie ihm den Schlüssel klaut. das fand ich wirklich amüsant. Und ich finde das immer wieder toll zu lesen, wie allgegenwärtig Märchen auch schon damals waren, obwohl das ja noch gar nicht so lange her ist. (Veröffentlichungen 1909/10)

Der Schreibstil wirkt mal wie ein Krimi und Actionroman, dann aber driftet es wieder in den Stil einer Reportage ab, wobei der Ich- Erzähler der Detektiv ist und die Geschichte um das Phantom erforscht. Er platziert sich überall als Beobachter hin.

Fazit:

Das Phantom der Oper ist ein toller Klassiker, gut verständlich, wenn auch ungewöhnlich. Gaston Leroux schreibt sehr bildhaft und detailliert und schafft es dem Leser emotionale Gefühle zu entlocken. Mir hat es wirklich sehr gut gefallen, auch wenn ich jetzt wieder noch eine neue Meinung über die Charaktere habe :-)
Und es wird manchmal wirklich gruselig.



Kommentare:

  1. Huhu liebe Fiorella!!
    *wink wink*

    Gerade lese ich 'Das Phantom' von Susan Kay. Es ist eine fiktive Biografie über das Phantom. Also über Erik. Anfangs war ich noch etwas skeptisch, aber eine liebe Freundin hat mir das Buch so drängend ans Herz gelegt das ich es einfach lesen musste. :) Ich bin gerade mittendrin und absolut sprachlos!! Es ist ein unfassbar brilliantes Werk, ausgezeichnet recharchiert und man verfolgt als Leser wie Erik zu dem werden konnte was er ist. Ein grausamer Mensch, voller Hass und Verachtung.
    Du solltest das Buch auch unbedingt lesen, ich bin mir sicher es gefällt dir!! :) Oder dir zumindest näher ansehen. ^-^

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. Oh Jasi!
      Das klingt ja echt toll! Oh man und bei Amazon hat es volle 5 Sterne. Das muss wirklich richtig gut sein. ich glaube, das ist beim nächsten Einkauf sofort mit dabei.
      Danke für deinen Tipp!!!!
      *winke winke* zurück :-)

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  2. Hey :)
    Schöne Rezension hast du hier geschrieben.Ich habe noch nie darüber nachgedacht Das Phantomder Oper zu lesen, aber jetzt muss ich mir das doch wohl mal überlegen :D
    Ich habe weder den Film gesehen,weder das Musical...aber das möchte ich noch ändern.
    LIebe Grüße

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