Dienstag, 19. Mai 2015

Rezension zu Zeit der wilden Orchideen von Nicole C. Vosseler

Wunderschön und traurig.



Inhalt vom Buchrücken:

Singapur um 1840. Das Tor zu den Schätzen Asiens. Ein Magnet für Schiffe und Menschen aus aller Welt. Hier lebt Georgina nach dem Tod ihrer Mutter weitgehend sich selbst überlassen. Im üppig wuchernden Garten am Meer kann das Mädchen mit den veilchenblauen Augen umherstreifen und ihre Einsamkeit eine Zeit lang vergessen. Eines Tages findet sie dort einen verletzten Jungen: Raharjo, der dem Volk der Orang Laut angehört, den „Meeresmenschen“. Wie vom Schicksal gelenkt, kreuzen sich ihre Wege über Jahrzehnte hinweg immer wieder, und diese Liebe, die nicht sein darf, verändert nicht nur ihrer beider Leben für immer ...

Meine Meinung:


Hach, das Buch hat mir wirklich gut gefallen. Doch es ist ein leises und stilles Buch und während ich es las, hat mich immer diese Trauer begleitet und auf den letzten Seiten musste ich Tränen vergießen.
Zeit der wilden Orchideen ist eine Liebesgeschichte, die einen sehr ungewöhnlichen, aber doch authentischen Weg nimmt. Wir begleiten Georgina von zarten 10 Jahren an, bis sie eine reife alte Frau Anfang 60 ist.
Und gerade weil ihre erste flammende Liebe zu Raharjo so sanft und stürmig, so leidenschaftlich und stabil und doch ganz zerbrechlich ist, finde ich es umso trauriger, dass sie trotz ihrer Liebe, die über all die langen Jahrzehnte beständig zu einander war, erst im hohen grauen Alter die Chance haben ihre letzten Lebensabende gemeinsam zu verbringen.
Besonders beeindruckt hat mich diese exotische, farbenfrohe Kulisse Singapurs von dunkelvioletten Orchideen, karmesinroten und safrangelben Farben, vom Blau des schillernden Meeres und dem zimtbraunen Braun der Einheimischen.
Nicole C. Vosseler schuf vor dieser wunderschönen Kulisse einen sinnlichen Roman, poetisch und vollkommen. Ihre Worte fließen sanft wie das Wasser eines schmalen Flusses durch die Seiten, sie perlen in glückliches Lachen und in Geschichten voller Freude und Fröhlichkeit, in Momente des Glücks und der Liebe zueinander, und der Hoffnung. Aber auf die gleiche Weise zogen sie mich hinab in uralte Familiengeschichten, tief hinab auf den Grund von gebrochenen Vertrauen, einem zerrissenen Herzen, von Schuld und Wehmütigkeit über all die verpassten Chancen.

Giorgina ist eine Person der Einsamkeit. Durch den frühen Tod ihrer Mutter zog sie sich schon immer in ihre Träumereien und Phantasien zurück. Dies begleitet sie all die Jahre hinweg durch. Als junges Mädchen ist sie unbeschwert und genießt ein leichtes Mädchen. In die Ehe, fühlt sie sich eingesperrt. Sie liebt ihren Mann nicht, und sehnt sich immer wieder nach dem Selkie, dem Meeresmann, Raharjo.
Ich fand, ich habe Giorgina wirklich sehr gut verstanden. Ich habe mit ihr gefühlt, wie sie die unbeschwerten Momente mit ihren Kindern genoss, wenn sie ihnen schwimmen beibrachte, und ihnen Geschichten erzählte, war ihre Welt wieder so rosig wie in ihren Märchenträumen. Und dann scheint sich endlich alles zum Guten zu wenden. Raharjo kehrt zurück. Beide sind sie tief verletzt, und dennoch können sie nicht voneinander lassen und ziehen sich wie magisch an. Ich mochte diese Szenen sehr und es hätte alles wieder gut werden können, doch dann funkt wieder einmal ihr Ehemann Paul Bigelow dazwischen und Giorgina muss nach England, für fünf lange Jahre.
Sie tat mir Leid. Sie war ein Wildfang, ein Tiger und dennoch so ruhig wie vor dem Sturm. Sie musste sich entscheiden, für Singapur und Raharjo oder für ihre Kinder.
Am Ende hätte ich anders als sie gehandelt, ich hätte mich anders geschieden, aber für sie war es doch auf ihre Art und Weise die richtige Entscheidung, damit ihre Ehe zu Paul nicht ganz umsonst war.

Raharjos Entwicklung hat mir besonders gut gefallen. Er ist eigentlich noch ein Knabe, ein Orang Laut. Ihn zieht es zum Meer. Er ist jung und ungestüm und wild und frei und liebt das Meer.
Später, als junger Mann ist er sanft und geduldig. Er kam mir vor wie ein Engel, er legte seiner Nilam, Giorgina, die Welt zu Füßen und liebte und begehrte sie und wollte ihr alles schenken.
Doch durch das grausame Missverständnis mit der Hochzeit, ist er tief verletzt und statt beherzt einzugreifen, und um seine Liebe zu kämpfen, zieht er sich zornig zurück. Er findet keine Ruhe mehr. Zu seiner Frau ist er rabiat und grob, an seinen Kindern liegt ihm nichts. Er wird ein gefürchteter Hausherr, ist reich und könnte glücklich sein. Doch er sehnt sich nach dem Mädchen mit den veilchenblauen Augen, seiner ersten und einzig wahren Liebe.
Zwischenzeitlich findet er Trost bei einer kleinen Chinesin. Doch das Schicksal schuf ihm nur kurzzeitig Glück und brach dann wieder in seine Einzelteile zusammen.
Raharjo konnte ich gut verstehen. Ich trauerte mit ihm. Am Ende ist er wieder zum jungen Mann geworden, sanft und liebend und er kehrt  zurück.

Die Charaktere waren fein geschliffen. Auch die Kinder, wie Duncan oder Josephine, Li Mei und David, sie alle haben ihre kleine Persönlichkeit. Nur für Paul Bigelow konnte ich mich ganz und gar nicht erwärmen. Er zerstört das traue Heim, er zerstört die Liebe aber auch er macht das Buch zu dem was es ist.
Eine tragische, bewegende Liebesgeschichte.

Und ich bin so traurig und habe einen Kloß im Hals. Die Zeit rinnt unaufhaltsam durch die Finger, Giorgina und Raharjo werden älter, ihre Kinder werden erwachsen und immer mal wieder treffen sie aufeinander, Momente ihrer Liebe, die ihnen vollends erst an ihrem Lebensabend geschenkt wird.
Und der Funken, der das Fass zum Überlaufen bringt, kommt noch dazu. Denn vieles hätte anders laufen können, besser laufen können, wenn sie diese eine entscheidende Sache gewusst hätten.

Der Schreibstil von Nicole C. Vosseler ist poetisch, künstlerisch. Bildhaft beschreibt sie die Umgebung, schafft Vertrautes und bildet eine gelungene Atmosphäre. Und obwohl mein Blick Tränen verschleiert ist und ich wehmütig auf das Buch blicke, liebe ich es doch, weil es diesen lieben Zauber birgt und die Liebe wie Magie um die Handlung herumschwebt, sich in silbernen Fäden hindurch zieht und die Liebe zwischen Giorgina und Raharjo nicht das wäre, was sie ist, wenn es den Mantel des Nebels nicht gäbe.

Fazit:

Zeit der wilden Orchideen hat mir sehr gut gefallen. Es ist eine schöne, traurige Liebesgeschichte über viele Momente des Glücks und der Leidenschaft, die nach so vielen verschenkten Jahrzehnten doch noch ihr Glück findet.



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