Donnerstag, 19. März 2015

Rezension zu Nachruf auf den Mond von Nathan Filer

Ein Buch, das man nicht unterschätzen sollte
 
 

Inhalt vom Buchrücken:

"Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. Doch in ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe." Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler, und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Matthew leidet an Schizophrenie.

Meine Meinung:

Ich denke zum Thema brauche ich gar nicht mehr so viel sagen, das sagt der Klappentext.
Aber - zuerst wollte ich dieses Buch gar nicht lesen. Es hat mich von der Handlung her einfach nicht inspiriert, aber dann sah ich es auf der LBM sehr groß vertreten und habe viele positive Meinungen gehört, das sich mich dann doch dazu entschloss, mal reinzuschnuppern.

Ich muss gestehen, ich habe die Geschichte um Matt und seinen Bruder Simon wirklich unterschätzt und im Nachhinein bin ich froh, es doch gelesen zu haben, weil es einfach mal auch etwas ganz anderes ist und irgendwie auch besonders.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Matt beschrieben und steigt etwa da ein, wo er neun Jahre alt ist und mit seiner Familie einen Campingurlaub macht. Sein Bruder hat eine Muskelschwäche und ist auch sonst weinerlich für sein Alter, aber für seinen kleinen Bruder Matt würde er alles tun und in einer schicksalshaften Nacht folgt er ihm im Dunkeln im Regen, sie streiten sich - eine Wurzel - und ab da geht das Leben der kleinen Familie abwärts.
Ich habe seine Eltern als zwei wirklich liebe Menschen kennengelernt. Seine Mutter ist eine ängstliche Frau, die sich Sorgen um ihre Kinder macht. nach dem Tod von Simon, klammert sie sich an ihren einzigen Sohn, nimmt ihn von der Schule und unterrichtete ihn alleine zu Hause und kachelt sich mit ihm in die Wohnung ein, abgeschnitten von der Außenwelt.
Sie meint es nur gut und spielt mit ihm gemeinsam in seiner "Höhle" Nindendo, aber die Trauer macht sie auch ein bisschen verrückt, sie muss Pillen nehmen und lernen ihren Sohn loslassen zu können. Denn auch Matt wird älter und bleibt nicht ihr kleiner neunjähriger Junge.
Der Vater ist ein ebenso lieber Mann. Er schaut nach seinem Sohn, gibt ihm einen süßen Kosenamen, sie haben ihren speziellen Handschlag...
Mit der Trauer kommen Streit und Krisen und irgendwann geht Matt doch wieder auf Anraten der Ärztin zur Schule.

Doch bei der Trauerverarbeitung ist etwas schief gelaufen, denn Matt fühlt sich für Simons Tod verantwortlich und sieht ihn überall, spricht mit ihm, wenn sein Bruder plötzlich unter seinem Bett hervorkrabbelt und glaubt ihm im Nebenzimmer spielen zu hören.
Er findet nur schwer Freunde und auch sein bester Freund Jacob zieht sich langsam aber sicher immer mehr zurück.
Er beginnt zu rauchen, zieht schließlich aus, wird Altenpfleger und beschäftigt sich mit seinem Bruder.
Was am Anfang noch als natürlich erscheint und zur Entwicklung eines kleinen Jungen gehören könnte, wird immer drastischer und je älter Matt wird, desto stärker prägt sich auch seine Krankheit Schizophrenie aus.
Er arbeitet an seinem Spezialprojekt - versucht Simon durch Flaschen und Kabelanlagen und der Lehre von Atomen zurück ins Leben zu holen, glaubt an seine Ameisen, weil Simon sich immer welche gewünscht hat und schreibt, schreibt und schreibt.
Seinen 18. Geburtstag muss er in der Geschlossenen verbringen.

Die Geschichte baut sich ganz langsam auf, wie ein leises Flüstern im Wind. es wirkt verworren und irritierend, aber nach und nach lichtet sich das Dunkel.
Besonders ist vor allem der Schreibstil von Nathan Filer.
Er schreibt wie Matt die Welt sieht, als neunjähriger, als 19-jähriger. Er benutzt unterschiedliche Schriftarten, je nachdem wo Matt gerade schreibt - auf der Schreibmaschine, die er von seiner lieben Nanny Noo geschenkt bekommen hat, oder auf dem Computer in der Klinik...manchmal springt er auch hin und her und plötzlich findet man sich in der Vergangenheit wieder und im nächsten Moment wieder im Hier und Jetzt. Seine Gedanken machen das Buch aus und was er schreibt, Einladungen, Briefe, die er erhält landen alle gesammelt in dem Buch.
Die Geschichte von Matt wirkt auf dem ersten Blick nicht eindeutig. Sie scheint in einem einzigen Zettelhaufen verborgen zu sein, aber man gelangt immer tiefer in Matts Denken hinein, fühlt mit ihm, versteht und liebt ihn, so wie er ist.
Am Ende war ich den Tränen nah, weil er so ein gütiger Mensch ist, weil seine Eltern ihm immer beistehen werden, weil einfach alles so traurig ist, dass zur Trauer um den verlorenen Sohn, nun auch Matt ein Sorgenkind geworden ist.

Die Geschichte wirkt am Anfang sehr rational und schnell erzählt, aber gleichzeitig fließt sie von einem Text zum nächsten, verwebt die Zeilen unter einander und ich habe es gar nicht richtig mitgekommen, wie gerührt ich am Ende war.

Der Schreibstil von Nathan Filer ist anders, aber Besonders. Es ist teils schwer geschrieben, ungewöhnlich, aber macht Matt mit seiner Krankheit zu einem authentischen Menschen, den man ins Herz schließt.
Die Geschichte regt unglaublich zum Nachdenken an, zum nach Forschen und Recherchieren.

Fazit:

Unterschätze nicht dieses Buch! Auch während des Lesens nicht, denn die wahre Entfaltung der Wirkung offenbarte sich mir auf der letzten Seite, als ich das Buch schloss und erst mal schluckte.
Es ist leise und still, aber gleichzeitig ganz sonderbar, ein kleines Wunder - und wir erkennen den wahren Wert des Lebens an. Traurig schön.
Der Titel passt sehr gut, wenn ihr aber wissen wollt, was es mit dem ond auf sich hat, dann müsst ihr es schon selbst lesen :-).

 
<3 Fiorella

Kommentare:

  1. Hey,
    das Buch hatte ich gestern in der Buchhandlung in der hand und es hört sich einfach so gut an *.*
    LG Lena

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  2. Oh... du machst mich mit deiner Rezension sooo richtig neugierig auf das Buch, weißt du das?^^ Es steht ja schon etwas länger auf meiner Wunschliste und jetzt ist es definitiv weit nach vorne gerückt! :D
    Ich finde das Buch/die Thematik deswegen so interessant, weil ich bisher noch nie ein Buch über Schizophrenie gelesen habe. Und wenn, dann sicher nicht mit Hauptaugenmerk darauf, sondern nur kurz erwähnt, also nebensächlich. Für Neues bin ich immer zu haben und auf der Suche nach zum Nachdenken anregender Lektüre bin ich sowieso immer.
    Auf den schwer geschriebenen, ungewöhnlichen Schreibstil von Nathan Filer, den du erwähnst, bin ich schon schwer gespannt! ;)

    Woher hattest du das Buch denn? Vorablesen? LB? Oder hast du es dir letztlich von der LBM geholt?^^

    Lieben Gruß ♥,
    Janine

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    1. das ist toll! Echt, das freut mich wirklich, wenn ich dazu beitragen kann die Neugierde zu schüren^^
      Ich habe es unaufgefordert als Rezensionsexemplar bekommen und auch erst geschrieben, dass ich nicht weiß, was ich damit machen soll, da ich kein Interesse hätte es zu lesen. Aber die Dame vom Verlag war sehr nett und meinte, ich könnte es ja einfach verschenken, aber irgendwie wollte ich es plötzlich dann doch lesen, z.B. durch die LBM, naja und man sieht ja, was dabei heraus gekommen ist.
      Ich glaube, da muss ich mich nochmal beim Verlag für ihren super sechsten Sinn bedanken.:-)

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    2. Oha, na wenn die das einfach so verteilen und dann sogar meinten, du könntest es ja verschenken, ob du nicht weißt, ob du es überhaupt lesen willst... Na vielleicht sollte ich da einfach mal wegen einem Rezensionsexemplar anfragen, die werden sicher noch eins für mich übrig haben. ;-P

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  3. Eine sehr, sehr schöne Rezension! Also, dir ist es also auch schon vorher so gegangen. Anfangs hat mich das Buch gar nicht interessiert und seit ich es in der Buchhandlung in den Händen hielt geistert es mir im Kopf herum. Übrigens, "... wie ein leises Flüstern im Wind" - das macht mich ja noch neugieriger.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Dankeschön Nicole :-) Dann muss ich mal nachschauen, um was es da geht.

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    2. Ach Gott, das ist ja kein Buch, sondern mein Satz :D Ich dachte erst du zitierst einen Buchtitel, aber hey Dankeschön, das freut mich wirklich :-)

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    3. Ja, das ist dein Satz! :-D Wäre aber auch ein schöner Buchtitel.

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