Donnerstag, 12. Februar 2015

Rezension zu Wir wollten nichts.Wir wollten alles von Sanne Munk Jensen

Ergreifend!
 
 

Inhalt vom Buchrücken:

Lässt nicht los: Liebe, die absoluter nicht sein kann. Zwei Leichen werden aus dem Limfjord gezogen: Liam und Louise. Ihre Hände sind mit Handschellen aneinandergekettet. Alle Indizien weisen auf Selbstmord hin. Louises Eltern zerbrechen fast am Tod ihrer Tochter, doch ihr Vater klammert sich daran, die Wahrheit herauszufinden. Als er Louises Tagebuch findet, eröffnet sich ihm das Leben, das seine Tochter und Liam in den vergangenen Monaten geführt haben.
Ein Roman, der unter die Haut geht: gewaltig und voller Sehnsucht mit einer Heldin voller Hingabe und einem Protagonist voller Widersprüche. In der Tradition der großen skandinavischen Autoren.

Buchtrailer:



Meine Meinung:

Das Buch ist brutal! Schockierend! Emotional und ich hätte das definitiv nicht erwartet als ich mich voller Vorfreude auf das Buch stürzte.
Das Buch ist so ergreifend, ja es verstört einen regelrecht beim Leben und mir blieb teilweise die Luft weg, was ich dort zu Lesen bekam. Und doch ist diese tragische Jugendgeschichte keineswegs Fiktion, sondern erschreckend real und ehrlich.
Die Geschichte hat bei mir einen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen, auch wenn ich manches nicht ganz verstanden habe, weil ich definitiv anders gehandelt hätte.
Es ist eine Geschichte über die Liebe, aber auch die Abhängigkeit und vor allem wie nah die Liebe mit Hass zusammenhängt.

Louise ist ein Mädchen aus einem sozial anerkannten Gebiet, führt aber ein sehr zurückgezogenes Leben ohne viele Freunde.
Mit ihrer besten Freundin lernt sie eines Abends Liam und seinen besten Kumpel Jeppe kennen und zwischen Liam und Louise funkt es nahezu sofort.
Ab da hat Louise nur noch Augen für Liam. Sie verstehen sich blendet und sind so sehr ineinander verliebt, dass sie nur noch Augen und Ohren für sich haben.
Besonders Louise fixiert sich voll und ganz auf Liam. Sie serviert ihre Freundin mehr oder weniger ab, taucht kaum noch zu Hause auf und zieht schließlich in Liams Wohnung. Sie schwänzt die Schule und beide sind rund um die Uhr zusammen und ab und zu auch mal mit Jeppe.
Die Liebe zwischen Liam und Louise ist echt und man spürt das Flimmern und dieses starke Band zwischen den beiden geradezu. Ihre Seelenverwandtschaft ist so offen und klar dargelegt, dass man nicht daran wagt zu zweifeln und beim Lesen merkte ich richtig, dass diese beiden wirklich füreinander geschaffen sind.
Eine Louise ohne Liam und ein Liam ohne Louise - das passt einfach nicht. Dennoch hat es mich gestört, wie Louise ihren ganzen Charakter fallen lässt. Sie gibt ihre eigenständige Persönlichkeit auf und gibt sich ihm ganz hin. Seine Probleme sind ihre Probleme. Ihr ist es nicht länger wichtig, was sie fühlt, sondern was er fühlt und denkt. Für sie ist Liam ihr Mittelpunkt des Lebens und er ist sie und sie lebt nur durch ihn.
Und Liam kann ja nicht mal etwas dafür und ich glaube auch, dass er das gar nicht so mitbekommen hat.
Louise redet ihm zu Munde und vertraut ihm blind. Wenn er das sagt, dann wird es wohl richtig sein und sobald sich kleine Zweifel bei ihr breit machen und sie Liam davon erzählt, wischt er ihren Einwand weg und sie stimmt ihm sofort zu.

Louise war mir keineswegs unsympathisch. Sie ist ein nettes Mädchen, liebenswert, aber auch schrecklich unerfahren in der großen weiten Welt, naiv und hat in meinen Augen keine eigenständige Persönlichkeit, weil sie nur durch Liam zu existieren scheint.

Liam ist wirklich toll. Ich mochte in wirklich sehr. Er hat eine sehr stürmische Frisur, rauft sich beim Nachdenken die Haare, ist humorvoll und einfach ein toller Typ. Er würde alles für Louise tun und kauft von seinem Geld ständig etwas für sie. Er möchte auch bei ihren Eltern einen guten Eindruck hinterlassen und hat einen sehr bodenständigen Charakter.
Früh hat er gelernt die Verantwortung zu übernehmen, zum Beispiel für seinen kleinen Bruder Jon, seit seine Mutter gestorben ist und sein Vater falsche Erziehungsmethoden anwendet.
Er fühlt sich auch zeit seines Lebens für Jeppe, seinen besten Freund, verantwortlich und kümmert sich wirklich rührend um ihn, lässt ihn niemals im Stich und diese Eigenschaft wird ihm ebenfalls zum Verhängnis.

Um Geld zu verdienen steigen die beiden Jungs in den Drogenhandel ein. Am Anfang scheint auch noch alles gut zu gehen, die Geschäfte florieren, sie haben einen Haufen Geld, haben eine Menge Spaß zu Dritt und es wäre auch weiterhin alles glatt gelaufen, wenn da nicht Jeppe wäre.
Er kann nicht mit Geld umgehen, leiht sich etwas bei Johannes, der Druck wächst und nach und nach explodiert einfach alles...

Was in dieser zeit passiert ist, durch den Boss Johannes, das ist einfach krass! es ist nervenaufreibend, gefährlich und geht einfach zu weit.
Ich wäre an Louises Stelle schon längst weg, aber da sie sich an Liam gebunden fühlt, gibt sie sich selbst noch mehr auf, als überhaupt möglich gewesen wäre.
Das ganze ufert so stark aus - teilweise ist es einfach unvorstellbar, wie die Jugendlichen von 17 bis 19 Jahren nur glauben können, dass alles allein stemmen zu können!
Es kommt bis zum Äußersten, sie fliehen, verstecken sich und das Ende rennt einem unaufhörlich entgegen.
Und genau da tauchen für mich wieder soo viele Fragen auf!
Es war doch einfach keine Liebe mehr! Liam war verzweifelt, ihn prägten Selbstmordgedanken und man spürte zwar, dass Liam und Louise doch noch zusammenhängen, irgendwie und dass sie sich gegenseitig brauchen, aber ihr Umgang miteinander war einfach schrecklich. das war kein Leben mehr und die Liebe nicht wert und doch hält Louise an ihm fest - bis in den Tod.
Und auch dieses ewige verweigern die Polizei da mit hinzu zu ziehen! Am Anfang vielleicht, kann man es verstehen, aber nicht wenn das eigene Leben in Gefahr ist! Wozu ist denn die Polizei da, wenn sie einen nicht in den Schutz nehmen kann?

Das Buch hat zur Abwechslung einen etwas anderen Aufbau und zieht die Geschichte sozusagen von hinten auf. Und zwar an dem Tag, wo Liam und Louise als Leichen aus dem See gezogen werden.
Louise ist die Ich-Erzählerin der Geschichte und folgt ihren Eltern überall hin, beobachtet sie und beschreibt was sie tun und lassen, was sie denken und fühlen und versinkt zwischendrin immer mal wieder in Erinnerungen.

Sehr gut gezeichnet fand ich die Charaktere der Mutter und des Vaters. Es wirkte absolut realistisch. Louises Mutter ist ein Ordnungsmensch mit Putzfimmel, der einfach alles perfekt haben möchte. Obwohl sie besonders am Anfang etwas verrückt wird, klärt sich die Sicht der Dinge allmählich und sie wird zu einer verzweifelten Frau, die sich doch auch nur nach Liebe sehnt und denkt in ihrer Erziehung versagt zu haben.
Natürlich dachte ich das am Anfang auch. Wie konnten sie der Tochter so viel durchlassen? Aber der Weg dahin ist stetig, man merkt es kaum und am Ende hatten sie eigentlich keine Chance, außer sie hätten Louise zu Hause eingesperrt und das will man ja als Elternteil auch nicht.
Louises Vater identifiziert sich in seine Rolle als Detektiv. Er wird von einer unbändigen Rachsucht ergriffen und will um jeden Preis den Hintergrund erfahren. Es ist traurig das lesen zu müssen, und ich habe tief mit ihm gefühlt, als er schließlich an den letzten Ort des grausamen Lebens seiner Tochter gelangte.
Jan ist der Vater von Liam und Jon. Er ist ein guter Mensch, tief in seinem Herzen, aber er kann nicht gut mit Menschen umgehen. Durch den Tod seines Sohnes versucht er sich jedoch zu bessern, besonders was das Vater-Sohn-Verhältnis zu Jon angeht.
Jon stammt aus Irland und spricht auch die meiste Zeit Englisch. ich fand es super, das dies auch so blieb und nicht wie mitunter in manchen Büchern umübersetzt wurde. Seine Sätze sind einfach und kurz und ich fand das wirklich authentisch.

Der Schreibstil ist in Ordnung. In Ordnung deshalb, weil die Autorin es schafft mich mit ihren Worten zu fesseln, sodass mit die Tränen in die Augen trieben, das sich geschockt war und mich immer wieder ein Gefühlschaos des Entsetzen und der Fassungslosigkeit überrollte. Auf der anderen Seite aber war die Sprache in Liams Umfeld wirklich sehr derb und so viele Seiten in andauernder Fäkalsprache zu lesen, worin es mehr Schimpfwörter gibt als normale Substantive, das fand ich ziemlich vulgär. Dazu muss ich aber auch wieder sagen, dass es ja zu der Situation gepasst hat. Schließlich wäre es ja sehr surreal gepflegt zu sprechen und sich mit einem Taschentuch nach dem essen die Mundwinkel abzutupfen. Das passt ja nicht, aber trotzdem! Ein bisschen weniger, hätte es vielleicht auch getan.

Fazit:

Wir wollten nichts, wir wollten alles, ist in jedem Fall ganz anders, als ich erwartete. Ich dachte an eine Romeo und Julia ähnliche Geschichte, aber obwohl die Story sich hauptsächlich mit den Komplikationen des Drogendeals auseinandersetzt, war das Endergebnis im wahrsten Sinne brutal!
Es passiert so vieles, es ist einfach grausam und schlimm und sehr sehr traurig, dass es immer wieder noch passiert.
Ergreifend. Aufwühlend. Und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.


<3 Fiorella


Kommentare:

  1. Hey!
    Eine wirklich sehr, sehr tolle Rezi! Du hast das alles sehr authentisch und fesselnd geschrieben. Ich hab deine Rezi wirklich gern gelesen :)

    Liebe Grüße

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  2. Hey!
    WOW, krasse Rezi, ich muss sagen, dass du mich nur noch mehr angefixt hast! Ich MUSS dieses Buch lesen! :)
    Liebe Grüße,
    Rachel von www.chellushsbookworld.de

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    1. Super!
      Ich glaube das soll ja auch die Wirkung sein.
      Dankeschön.

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  3. Das Buch sehe ich immer öfter auf verschiedenen Blogs....und jedes mal denke ich, das musst du haben. Mein SuB findet das nicht so toll :D
    LG!

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    1. Haha, ich spreche mal deinem SuB gut zu, dass er sich über noch ein Geschwisterchen sehr freuen wird.

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  4. Ja, das Buch hat auch bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen und ja, auch ich hätte in einigen Situationen anders gehandelt, aber ich bin auch keine 17 mehr :-)

    LG Desiree

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