Donnerstag, 15. Januar 2015

Rezension zu Oliver Twist von Charles Dickens

Einfach fantastisch!
 
 
 

 

Inhalt vom Buchrücken:

Als Findelkind im Armenhaus einer englischen Kleinstadt aufgewachsen, flüchtet sich der junge Oliver Twist aus den Fängen seines brutalen Lehrherrn nach London. Doch im Moloch der Großstadt gerät er bald an den skrupellosen Hehler Fagin, der ein seltsames Interesse daran zu haben scheint, Oliver in die Welt des Verbrechens hineinzuziehen ... Wegen seiner präzisen Milieuschilderungen und seines entwaffnenden Sinns für skurrile Komik zählt "Oliver Twist" bis heute zu den bedeutendsten und beliebtesten Romanen der englischsprachigen Literatur. (Dickens, Charles 1812 - 1870)



Meine Meinung:

Zitat:
In einer Stadt, die ich aus mancherlei Gründen lieber nicht näher bezeichnen möchte, der ich aber auch keinen erdichteten Namen beilegen will, befindet sich, wie in den meisten Städten, mögen sie groß oder klein sein, von alters her ein Armenhaus. Hier wurde an einem Tage, dessen Datum zu nennen ich mir nicht die Mühe machen will, weil es den Leser durchaus nicht interessieren kann, der Weltenbürger geboren, dessen Name an der Spitze dieses Kapitels angegeben worden ist.

Oliver Twist ein Klassiker - zu Recht, wie ich sagen muss.
Jetzt nachdem ich es gelesen habe, werde ich mir auch den Film dazu anschauen. Ich habe mir extra die DVD zum Filmtrailer, den ich hier eingebettet habe, gekauft.)

Der kleine Oliver wird in einem Armenhaus geboren, doch seine Mutter stirbt kurz darauf und von Verwandten gibt es keine Spur. Oliver wird daraufhin von der Gemeinde groß gezogen, birgt eine Last und wird mit zarten zwischen 9 und 11 Jahren an Mr. Sowerberry, einen Leichenbeschauer verkauft. Doch bei ihm ergeht es ihm nicht besser. Er ist nur eine Last, bekommt die Reste des Abendessen und wird gemobbt.
Daraufhin entschließt er sich abzuhauen und taucht tief in die Großstadt London ein. Dort gerät er in die Machenschaften des Juden Mr. Fagin und Sikes, die ihn für ihre Einbrüche in wohlhabende Häuser missbrauchen wollen. Mehrmals gelingt es Oliver zu fliehen, doch die Verbrecherbande ist ihm immer wieder auf der Spur...

Oliver hat mir wirklich gut gefallen. Er ist ein so kleiner, unterernährter Junge, der auf so viele falsche Wege geraten könnte und doch bleibt tief in seinem Herzen verwurzelt eine Dankbarkeit und Treue, Ehrlichkeit und das Wesen eines Kindes, dass ich ihn am liebsten nur knuddeln wollte.
Auch die Dirne Nancy fand ich sehr gut ausgearbeitet. Kommt sie am Anfang noch als eine grobschlächtigere Frau daher, wird sie im Laufe des Romans immer milder und setzt sich am Ende sogar für Oliver ein. Sie erkennt das sie vom Weg abgekommen ist, hängt aber verzweifelt fest und kann sich nicht losreißen. Sie ist so ein Typ Frau, die dennoch den Mann liebt, der sie schlägt und sogar mordet.

Hinten in meiner schon etwas älteren Ausgabe von meiner Oma gibt es ein paar tolle Nachbemerkungen, an denen ich euch in Auszügen teilhaben lassen möchte.

" Mit Oliver Twist stellte Charles Dickens dem Leserpublikum seinen Helden vor - den armen jungen Menschen, der den Widrigkeiten einer feindlichen sozialen Umwelt ausgesetzt ist, bittere Not leidet, von bösen Menschen verfolgt wird, jedoch seinen guten Charakter bewahrt und endlich im Kreise redlicher Freunde sein Glück findet."

Dieser Typus findet sich auch in vielen anderen Romanen wieder, z.B.
Charlotte Brontê
William Makepeace Thackeray

"1834 verschlimmerte dich die Lage der Armen beträchtlich. Dieser Wirklichkeit entstammte die literarische Gestalt des Oliver Twist, entstammte schlechthin das Ensemble der Figuren unseres Romans, angefangen vom Gemeindevorsteher Mr. Bumble und der Armenhausvorsteherin Mrs. Corney über den Diebesbandenführer und Hehler Mr. Fagin, den Mörder Bill Sikes und die Dirne Nancy bis zu den wohlsituierten Brownlows und Maylies.

Dickens nahm dem Polarisierungsprozess mit wachem verstand und engagierten Gefühl wahr - seine Sympathien, sein Mitleid galten den Armen."

Ich finde Charles Dicknes Schreibstil nach wie vor klasse!
Er wechselt mühelos von humorvollen, zu traurigen Szenen, lässt seinen jungen Helden in Intrigen verwickeln, setz ihn allerhand Gefahren aus, aber verschafft ihm aus Momente der Rührseligkeit und des Glücks. Mutig beschreibt er den Weg des Oliver Twist. Der Originaltitel hieß ursprünglich auch: " The Adventures of Oliver Twist, or The Parish Boy's Progress ( Die Abenteuer des Oliver Twist oder Der Weg des Gemeindejungen)

Obwohl ich natürlich nicht in dieser durchaus schrecklichen Zeit dabei war, möchte ich behaupten, dass Dickens die Lebensumstände zu dieser Zeit sehr detailgetreu darstellt. Ich habe mich regelrecht auf den Straßen Londons wiedergefunden, bin mit Oliver durch die Straßen gehetzt und habe alle Szenen, seien es die erbarmungswürdigen Zustände im Armenhaus oder ein hübsch eingerichtetes Wohnzimmer bei den Maylies, die einfache Lausbubenkleidung oder ein feines Kleid der Lady - ich hatte alles bildlich vor Augen.

Fazit:

Oliver Twist hat mich umgehauen. Von der Spannung, über die Handlung bishin zum blumigen aber auch sehr konkreten Schreibstil hat mir alles super gefallen und dieses Werk gehört ab sofort zu meinem Lieblingsroman unter den Klassikern und stößt damit Stolz und Vorurteil von Jane Austen vom Thron.
Ich empfehle dieses Buch jedem. Abenteuer, Freude, soziale Gefühle wallen auf. es macht Spaß diesen Roman zu lesen und ich klebte förmlich an den Seiten.
Auch wenn am Anfang der Schreibstil uns nicht so geläufig ist, fand ich ihn doch recht einfach und verständlich. Nach einer Weile habe ich gar keinen Unterschied bemerkt, ich bin da einfach durch den Text gefegt. :)

 
<3 Fiorella


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