Montag, 1. Dezember 2014

Rezension zu Secrets - Ich fühle von Heather Anastasiu

Eigenes Denken ist verboten, Gefühle können deinen Untergang bedeuten.
 
 

Inhaltsangabe vom Buchrücken: 
Kann es ein Verbrechen sein, Gefühle zu haben?
Wut, Enttäuschung, Schmerz - Gefühle drohten die Menschheit auszulöschen. Ein Chip befreit sie nun von ihren schädlichen Emotionen. Denn selbstständig zu fühlen ist einfach zu gefährlich. Das erfährt Zoe am eigenen Leib, als plötzlich eine Störung an ihrem Chip auftritt. Zum allerersten Mal entstehen in ihrem Kopf eigene Gedanken und unaufhaltsame Gefühle. Zoe muss dieses Geheimnis um jeden Preis bewahren; sollte es gelüftet werden, droht ihr die Auslöschung.
Doch dann gerät ihr Chip derart außer Kontrolle, dass sie sich nicht länger verstecken kann und für ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen muss.

Meine Meinung:

Als ich angefangen habe zu lesen, dachte ich zunächst an etwas Ähnliches wie Delirium von Lauren Oliver, dann hatte ich zeitweilig das Gefühl im letzten Drittel der Bestimmung zu sein, wo die Menschen wie ferngesteuerte Roboter handeln und  diese ganze Enge, die ich gefühlt habe, weil die Geschichte sich hauptsächlich in den engen Tunneln im Untergrund abspielt, trugen meine Gedanken wieder zu Godspeed auf das Raumschiff, wo Amy auch überall Wände und keinen Himmel sah.
Aber doch ist Secrets - Ich fühle eine ganz neue Geschichte und mit keinem der genannten Bücher vergleichbar.

Die Handlung ist klar aufgebaut. Sie wird aus der Ich- Perspektive von Zoe geschrieben und als Leser wurde ich sofort ohne Gnade in das Geschehen geworfen. Es gab nicht viel Vorgeplänkel und ich lernte das alltägliche Leben nicht erst ruhig kennen - nein. Sofort war klar, dass etwas nicht stimmte, anders war, als es sein sollte.
Ich fand sehr gut, dass die Autorin sich nicht mit langen Vorreden aufhalten hat lassen. Sie kommt auf den Punkt!

Der Inhalt ist dennoch ganz anders als ich erwartet hatte. Zunächst gelingt Zoe mit dem Jungen mit den ungewöhnlichen blaugrünen Augen die Flucht. Sie stolpern durch die Oberwelt, versuchen sich in Sicherheit zu bringen - das alles wirkte so authentisch und Zoes Reaktionen, als sie zum ersten Mal die "giftige und toxische" Luft einatmet, das grelle Licht der Sonne sieht, ja ihre Verzückung über grünes Gras - das alles machte die Atmosphäre greifbar.

Doch dann kommt es anders und Zoe muss zurück in ihr altes Leben und ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Ich mochte Zoe sehr gern. Alles was sie bis dato gelernt hat, ist falsch, sie muss fremden Menschen vertrauen, sich ständig selbst beobachten, um ihren Körper unter Kontrolle zu halten. Sie darf weder das Gesicht zu einer Grimasse verziehen, noch mit den Augen rollen, selbst das kleinste Nasenflügelbeben ist Aufmerksamkeit erregend. Sie steht unter ständiger Bewachung.
Immer wieder fällt sie aus dem Link, denkt und fühlt selbstständig - ich konnte sehr gut mitfühlen, wie ihre Nerven zum Zerreißen gespannt waren, wie die Panik immer weiter in ihr hochkroch, wenn ihr Herzmonitor drohte gleich los zu kreischen und somit Alarm zu schlagen.
Aber dennoch fand ich sie auf eine andere Art und Weise ziemlich einfältig und naiv.
Natürlich kann sie Gefühle nicht richtig einordnen, selbstständig Denken, Dinge vorzutäuschen, dass ist alles ganz neues Gebiet, aber sie hat eindeutig zu oft ein Brett vor dem Kopf.
Das was sich da direkt vor ihren Augen abspielt - und immer wieder bastelt sie sich dafür eine hübsche Erklärung für ihr sanftes Gemüt zurecht.
Zoe ist ein zu gutmütiger Mensch für die Welt in die sie hineingeboren wurde. Sie möchte allen und jedem helfen. Sie sieht nur das Gute im Menschen und bringt sich selbst damit in Gefahr.

Adrien, der Junge mit den blaugrünen Augen.
Ich glaube, er ist ein ganz toller Kerl und an der Oberwelt hat er mir super gut gefallen. Seine starke Seite kam zum Vorschein, bei sich zu Hause da fühlt er sich sicher und stolz präsentiert er sein Können.
Er ist ein unfehlbarer Optimist und ein richtig netter Junge.
Es war für mich mal wieder eine Abwechslung von einem Jungen zu lesen, der nicht düster oder sonst wie anders ist, sondern einfach nett und aufrichtig.
Aber auch hier denke ich, war er manchmal zu nett. Er hätte bei bestimmten Situationen auch mal als echter Mann durchgreifen können!
Aber er ist ja noch nicht erwachsen, also tut das der Geschichte keinen Abbruch.  In der Nachbetrachtung wirkt er jedoch auf mich ziemlich blass. Ich mochte ihn und er passt zu Zoe.

Max, Zoes bester Freund ist ein wirklich sehr interessanter Charakter. Ich möchte nicht sagen, dass er mir unsympathisch war, aber ich ahnte schon früh, dass Max eher ein Klotz am Bein darstellt. Er lebte frei nach dem Motto : Ich will alles, Ich habe alles und was ich noch nicht habe, hole ich mir!
Immer wieder macht er alles zu Nichte, um die Wahrheit zu verdrehen. Er hat sehr starke Gefühle und seine Stimmungen waren so wechselhaft wie das Wetter.
Er hatte seine Hormone eindeutig nicht unter Kontrolle und neigte leider zu falschen Handlungen, die er jedoch für richtig hielt. Er tat mir ein bisschen Leid. Er meinte es doch nur gut.
Aber Max ist auch eine sehr wichtige Schlüsselfigur im Roman.

Dann gibt es da noch weitere Charaktere, wie Adriens Mutter und die Kanzlerin. Die Kanzlerin fand ich sehr gut als Antagonisten ausgearbeitet. Ihre kühle, distanzierte Art, ihr Forscherdrang und die absolute Gewissheit die Macht und Kontrolle zu haben, machen sie gefährlich.

Der Schreibstil von Heather Anastasiu ist genial. Sie schreibt nicht zu ausführlich, sondern ruck zuck, aber dennoch geht dabei nichts verloren. Sie schildert Zoes widersprüchliche Gefühle immer und immer wieder, lässt uns gut in Zoe hinein versetzen und offenbart uns eine ziemlich düstere Zukunft.
Obwohl sie für mich nicht mit viel Emotionen schreibt und das Buch mich nicht innerlich fassen, und mein Herz etwas aufwühlen konnte, hat ihr Schreibstil dennoch etwas Wunderbares an sich.
Sie schreibt lebendig!

U.a. gibt es eine sehr schaurige Szene in einem Tunnel, mit tosendem Wasser und einer ganzen Völkerwanderung an Ratten. Eigentlich bin ich nicht empfindlich. Ich mag die kleinen Nager sogar, aber Zoe hatte die totale Panik und ich auch!
Ich habe den Absatz gelesen und ich traute mich kaum weiter zu lesen. Ich musste das Buch zuklappen, wieder auf, wieder zu, wieder auf. So ging das echt eine Weile hin und her.
Das war so echt! Ich hatte das Gefühl ich würde das Wasser, welches nach "fauligen Eiern und ranziger Butter gemischt" (Seite 87),stank, riechen.
Ich hatte ernsthaft das Gefühl der Boden unter meinen Füßen würde lebendig und tausend kleine beharrte Pfötchen würden mir über den Rücken krabbeln.
Mich hat es geschüttelt, ein Schauer nach dem anderen rieselte mir über den Nacken und es war verdammt real!
Lange habe ich nicht mehr so etwas gelesen, wo es mich so geschüttelt hatte, dass ich aufspringen musste, um meinen Körper zu lockern.
Einer Freundin von mir ging es nicht so, aber ich steckte so fest in den Seiten drin. Keine Chance!

Aber es gab auch verdammt viele Stellen, wo ich herzhaft lachen musste. Die Dialoge besonders am Anfang waren mit so viel Wortwitz gefüttert - herrlich.

Dennoch muss ich sagen, dass mir der Anfang am besten vom Großen Ganzen gefallen hat. Zwischendurch wurde es mal etwas ruhiger, aber es passierte doch immer wieder etwas. Ich hatte eigentlich gar keine Ruhepause. Im letzten Drittel des Buches nimmt die ganze Handlung, die Rebellion, die Angst entdeckt zu werden noch mal richtig Fahrt auf und es kommen immer mehr verstärkt die Gaben zum Einsatz.
Auch wieder ein großes Plus für den Schreibstil. Zoes Gabe ist echt faszinierend. Diese ganze Kraft, die durch die Luft saust, wie alles flimmert und die Elektrizität summt. Diese Szenen müssen durch gelesen werden, da kann man nicht abbrechen! Auch nicht wenn die Zugfahrt vorbei ist und man aussteigen müsste. Das geht da nicht!

Fazit:
Mir hat Secrets - Ich fühle von Heather Anastasiu sehr gut gefallen. Ich konnte mitleben, mitfiebern und ich finde, die Autorin hat weder unnötiges hinzugefügt noch wichtiges weggelassen, aber dennoch gibt es so ein paar Schnitzer, die es für mich nicht vollkommen machen.

 Der Plot konnte mich überzeugen und sehr gern habe ich die Abhandlungen über die Leistungen des menschlichen Gehirns gelesen. Es ist schon Faszinierend.
Ich hätte die Geschichte gern in einem Hardcover gelesen. Da passt sie einfach als Sci-Fi-Dystopie hinein und ich glaube da würde sie ihre Handlung noch besser entfalten können.
Das Cover finde ich wunderschön! Der Nacken ist freigelegt mit direkten Blick auf den Port, die Farben harmonieren und es passt einfach zum Inhalt!


 
Ich habe Secrets - Ich fühle als Rezensionsexemplar von Blanvalet erhalten. Vielen Dank.
 
Hier gelangt ihr zu einer Leseprobe:
 
***LESEPROBE***
 
 
 
<3 Fiorella
 

Kommentare:

  1. Das klingt ja gut, bisher habe ich nur positive Rezis gelesen und ich werde immer gespannter^^
    LG Lena
    --
    Ich bin umgezogen, besuche mich doch auf : http://lenaliest.de/

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    1. Huch, warum denn? Da muss ich mal vorbei schauen :-)

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  2. Wow! Eine tolle, mitreißende Rezi! Das Buch wandert direkt mal auf die Wunschliste. Das klingt echt gut. :) Vielen Dank für den Tipp! :)

    Liebe Grüße,
    Marina

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  3. Huhu meine Liebe <3
    jetzt bin ich auch endlich dazu gekommen, deine Rezi zu "Secrets" zu lesen. Wow, du hast ja einen echt langen Text raus gehauen. :D
    Im großen und ganzen teile ich deine Meinung, bis auf ein paar Kleinigkeiten, wie zB Max. Ich hab ihn einfach nur gehasst und fand ihn furchtbar anstrengend. Jedes mal habe ich gehofft, das Zoe ihn endlich mal links liegen lässt. :D

    Ich bin gespannt, wann der zweite Teil raus kommt!
    Schöne Grüße,
    Nicki <3

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    1. Na klar - rausgehauen :D
      Ich steh auf lange Texte xD
      Ja Max. Stimmt schon. Er weckt Hassgefühle, aber trotzdem tat er mir Leid. Ich bin einfach ein zu lieber Mensch ;)

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  4. Es freut mich, dass du so von dem Buch schwärmst, denn ich bekomme das Buch auch als Rezensionsexemplar und bin schon gespannt, welchen Verlauf die Geschichte haben wird. Ich finde deinen Blog wirklich schön und bin gleich mal als Leserin dageblieben. Ich hoffe, "Secrets - Ich fühle" wird mir auch so gut gefallen wie dir.

    Ganz viele liebe Grüße, Rainbow ☼♥
    walkingaboutrainbows.blogspot.com

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    1. Hey :-)
      Rainbow - schön gewählter Name.
      Na da hoffe ich mal dass du nicht enttäuscht wirst. :-)

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Hey, wenn ihr euch bei mir melden wollt, einfach mal nur zum Quatschen ;) oder weil ihr nützliche, kreative und fabelhaftwunderbare Tipps und Tricks für mich habt....dann schreibt mir doch einfach über meine E-Mail:
lady-principessa@t-online.de

Ich würde mich sehr freuen.