Montag, 22. Dezember 2014

Rezension zu MUC von Anna Mocikat

Endlich mal eine Dystopie, die in Deutschland spielt!



Inhalt vom Buchrücken:
 
München, 2120: Hundert Jahre nach dem großen Sterben, dem beinahe die gesamte Menschheit zum Opfer fiel, ist von dem Wohlstand der Stadt wenig übrig. Zerstörte Häuser, Müll und Dreck in den Straßen und Skelette in der U-Bahn, so präsentiert sich MUC, wie die Stadt mittlerweile heißt, der Kletterkünstlerin Pia.
Pia ist auf der Suche – nach ihrem Bruder, der vor Jahren verschollen ist, und nach Antworten. Denn das große Sterben haben nur Rothaarige überlebt, ihre Haare jedoch sind pechschwarz. Aber MUC ist kein Ort des Wissens und der Freiheit mehr, sondern eine ­gnadenlose Diktatur. Pia muss sich entscheiden, ob
sie auf der Seite der Unterdrücker oder der Unterdrückten stehen will.
 
 

Meine Meinung:
 
Als ich mir den Inhalt durchgelesen habe, dachte ich mir sofort: Was für eine coole Idee! Endlich mal wieder eine düstere Zukunft, die sich weder in Amerika noch sonst wo angesiedelt hat, sondern sich zentral um die bayrische Landeshauptstadt München dreht.

Der Einstieg in die Geschichte dauert nicht lange und wir lernen Pia bei waghalsiger Kletteraktionen kennen. Sie ist gerade aus einem kleinen Alpendorf geflüchtet, wo sie mit ihren schwarzen Haaren als eine Ausgestoßene gilt. Sie schlägt sich durch die Wildnis durch, denndas gesamte Alpenvorland bis hin zu MUC scheint ein einziger Dschungel geworden zu sein.
Zunächst ist sie auf sich allein gestellt und muss allen Gefahren, wie metertiefe Schluchten, hungrige Wölfe und barbarische Überlebende, die mehr Tiere als Menschen sind, überstehen.
Doch dann trifft sie glücklicherweise auf eine kleine Truppe, die bereit ist  sie mit in die Stadt ihrer sehnsüchtigen Träume zu nehmen.
Pia hofft in MUC ihren Bruder Paul zu finden. Dort soll alles besser werden und noch viel aus der alten Stadt vorhanden sein.
Doch Pias Traum verwandelt sich recht schnell in einen Albtraum, denn MUC ist ganz anders, als sie es sich jemals hätte vorstellen können...

Die Handlung ist sehr voraussehbar, das hat den Lesefluss jedoch nicht gestört, denn selbst wenn ich als Leser oft eine leise Ahnung hatte, was passieren würde, so beschreibt Anna Mocikat dies jedoch auf eine ganz eigene Art und Weise, weshalb sich alles doch wieder anders gestaltet als erwartet, auch wenn der Kern der gleich geblieben ist.
Die Hauptprotagonistin Pia hat als Einzig überlebende schwarze Haare. Alle anderen Kinder, die nicht mit roten Haaren geboren werden, sterben schon kurz nach der Geburt. Doch Pia ist anders und hofft in MUC Antworten auf ihre Fragen zu finden.
Sie ist eine Kletterkünstlerin, mutig, unerschrocken und eine unangefochtene Optimistin. Mehrmals springt sie dem Tod in letzter Sekunde von der Schippe. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, ihren Bruder zu finden oder ein kleines Mädchen zu retten. So sehr ihr Weltbild auch ins Wanken gerät, sie hält an festen Säulen fest und macht das beste aus ihrer Situation.
Pia hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ich mochte sie sehr. Sie wirkte in jeder Lebenslage auf mich authentisch und obwohl sie selbst nicht vor Herzlichkeit und emotionalen Gefühlen überquillt, scheint sie wie ein anziehender Magnetpol auf Männer, wie Kinder gleichermaßen zu wirken und gewinnt durch ihre freundliche Art und ihre Sympathie schnell Freunde, die sie mögen und wenn es brenzlig wird, auch unterstützen.

Ein weiterer ausgeprägter Charakter ist Aela, die Tochter der Anführerin im Hades, einer Untergrundgemeinschaft von Schmugglern, Dieben und Schleppern. Sie strahlt vor Selbstbewusstsein und Coolness. Am Anfang ist sie misstrauisch und wirkt sehr distanziert auf andere, aber nach und nach lernt man ihre warme Seite kennen. Sie hat ein kleines treues Äffchen, namens Goliath, der ihr immer zur Seite steht.

Sam mochte ich von allen am liebsten. Er ist auf der einen Seite ein liebender Familienvater und knuddliger großer Bär, aber er kennt die raue Seite des Lebens und kann schnell einen Schalter umlegen und zum grimmigen Kämpfer, vor dem man sich fürchten sollte, werden. Pia und Sam werden schnell zu guten Freunden und helfen sich gegenseitig.

Es gibt noch viele andere interessante Nebencharaktere, wie den sanftmütigen Robin, die kleine lebensfrohe Nele und Elias mit den faszinierend grünen Augen.
Besonders Elias wendet das Blatt der Geschichte im letzten Drittel noch einmal entscheidend!

Ich mochte die Charaktere und die Handlung sehr. Der Schreibstil von Anna Mocikat ist flüssig zu lesen. Sie beschreibt sehr viele Details, sodass ich als Leser ein sehr genaues Bild von Pias Umgebung bekommen habe. Doch manchmal hätte es nicht jeder Grashalm einer Beschreibung bedurft. Mich hat es nicht gestört, doch manchmal war es ein bisschen zu viel des Guten und ich habe die Landschafts- und Häuserbeschreibung etwas übersprungen, um zum eigentlichen Thema zurück zu kommen.
Sehr gut geschildert fand ich die Kampfszenen, sowie die Schilderung der Diebstähle. Spannend zu lesen fand ich auch Abhandlungen über das Thema Religion und sein Einfluss auf die Zukunft in einer monarchistischen Stadt rund um einen Propheten. Besonders gefesselt haben mich dann die Kapitel, als Pias Blut untersucht wird und wir mehr über Das große Sterben, den Virus und seine Hintergründe erfahren. Es werden viele Missstände in unserer Welt angesprochen. Die Gebiete, in denen Atomkraftwerke stehen, sind gänzlich verstrahlt, es gibt immer wieder Mutationen. Die Menschen verfallen in alte Rollenmuster, der Klimawandel zeigt deutliche Auswirkungen und dem größten Teil der Menschheit ist kostbares Wissen verwehrt - mit absehbaren Folgen.

Witzig zu lesen fand ich zudem, Beschreibungen von Erfindungen aus unserer Zeit, wie Computer und Riesenräder, die für uns alltäglich sind, aber für die Menschen in MUC unvorstellbar. Für sie ist die alte Welt ein Wunder! Menschen konnten Maschinen bauen, die fliegen usw. - dieses Staunen fand ich gut nachvollziehbar und amüsant zu lesen, wenn man sich wirklich mal vor Augen hält, was die Spezies Mensch alles hervorgebracht hat - positiv wie negativ.
Allerdings gab es auch ein paar Stellen im Buch, deren Bedeutung sich mir nicht erschloss und die ich persönlich für den Inhalt nutzlos fand. Diese hätte man auch weglassen können, da sie keine Rolle spielten.
Aber vielleicht gibt es ja noch einen zweiten Teil und deren jetzt offen gelassene Geschehnisse werden wieder aufgegriffen?

Die Spannung war in Ordnung. Am Anfang fand ich sie sehr gut und ich als Leser war auch noch sehr neugierig was denn nun passiert und vor allem was Pia in MUC erwartet, aber in der Mitte flachte diese dann etwas ab, weil einfach nichts nennenswertes passierte. Pias Leben ging einfach Tag für Tag weiter, sie erhielt eine Ausbildung, lernte die verschiedenen Schichten in MUC kennen, Hintergründe ..., aber wirklich passieren tat sich nichts.

Erst im letzten Drittel nimmt die Dystopie noch mal richtig an Fahrt auf, als Pia endlich das findet, was sie schon so lange sucht, daraufhin in einen zwischenmenschlichen Zwiespalt rutscht und sich für eine Seite entscheiden soll. Das hat mir wieder sehr gut gefallen und ich habe die letzten 50 Seiten einfach verschlungen.
Das Ende fand ich jedoch leider etwas enttäuschend. Es ging zwar zufrieden aus, aber es ist für mich auch kein richtiger Schluss, weshalb ich sehr auf eine Fortsetzung hoffe.

Fazit:
 
Alles in allem hat mir die Geschichte sehr gut gefallen. Die Charaktere mochte ich sehr. Der Handlungstrang war vorhersehbar und einfach, aber schön zu lesen. Dennoch hätte ich mir ein bisschen mehr Handlung im Mittelteil, die irgendetwas Bedeutungsvolles darstellt, noch gewünscht, damit die Spannung durchgängig im  Buch erhalten geblieben wäre.
Der Schreibstil hat mir wirklich gut gefallen. Es sind schöne Beschreibungen, genaue Schilderungen dabei und ich hatte die ganze Zeit ein sehr gefeiltes Bild vor Augen.

Neugierig?
 Hier könnt ihr ein von mir geführtes Interview mit der Autorin nachlesen und mehr über Anna Mocikat und ihre Ideen zu MUC erfahren.
Es lohnt sich :)



<3 Fiorella

Kommentare:

  1. Eine schöne Rezension, die mich sehr neugierig auf das Buch gemacht hat :) Vor allem den Trailer zum Buch fand ich gut :)
    Schade, dass das Buch dich nicht so ganz überzeugen konnte und das das Ende nicht so toll ist. Ich warte mal ab ob es eine Fortsetzung geben wird und dann landet es vielleicht auf meiner WuLi.
    LG Jenny :)

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    1. Ja, im Interview erwähnte Anna Mocikat dass es eine Fortsetzung geben wird.

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  2. Hallo Fiorella,
    Tolle Rezi! Ich hatte das Buch neulich in der Hand und wusste nicht, ob ich es lesen sollte...Aber sobald es in der Bibliothek erscheint, werde ich es ausprobieren :)
    Liebe Grüße,
    Noemi

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    1. Ja mach das :)
      Ausprobieren - hihi irgendwie ist das Wort lustig in diesem Zusammenhang.

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