Dienstag, 23. Dezember 2014

Rezension zu Eine Geschichte aus zwei Städten von Charles Dickens

Hautnah beim Sturm der Bastille dabei
- ein Klassiker zur Zeit der Französischen Revolution!



Inhalt vom Buchrücken:
Paris und London während der Französischen Revolution: Als der Franzose Charles Darnay von den Revolutionären in Paris zum Tode verurteilt wird, rettet ihm der junge Engländer Sydney Carton das Leben, indem er freiwillig das Schafott besteigt. Er opfert sich aus Liebe - zu Lucie Manette, der Frau des Verurteilten.

Meine Meinung:
Puh, ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Die Tragik ist da. Aber bis es zum Ende zu diesem Konflikt kommt, vergeht Zeit ins Land, denn alles beginnt noch ganz am Anfang.

Die Handlung steigt damit ein, dass Lucie und ein vornehmer Geschäftsmann, Mr. Lorry, der die Familie ihr ganzes Leben lang begleiten wird, den Arzt Dr. Alexander Manette retten. Er ist ein gebrochener alter Mann, der erst durch die Liebe seiner Tochter wieder in das blühende Leben hinein findet.
Beide ziehen nach London und lernen den Aristokraten Charles Darnay, ein Neffe des Marquis St. Evremonde bei einer Gerichtsverhandlung kennen. Der Marquis ist ein grausamer Mann und Darnay wandte sich einst von ihm und seinen Machenschaften ab, doch seine Familienherkunft lässt sich nicht leugnen und verfolgt ihm im Laufe des Romans immer wieder.
Er wird u.a. von Sydney Carton verteidigt, ein sehr brummiger Geselle, der in seinem Leben bisher noch nichts zustande gebracht hat und ganz dem Alkohol verfallen zu sein scheint.
Beide verlieben sich in Lucie, die Tochter des Arztes.
Lucie entscheidet sich für Charles und beginnt mit ihm eine glückliche Ehe, aus der auch eine kleine Tochter, die auch Lucie heißt, hervor geht.

Während Charles Dickens die Entwicklungen in London beschreibt, vom Mannweib Miss Proß und immer mit dabei den alten Mr. Lorry, der ein guter Freund und Berater der Familie wird, werden wir immer wieder in das Geschehen nach Paris versetzt.
Dort dreht sich der zentrale Angelpunkt um die Eheleute Defarge in Paris. Besonders Therese Defarge, die Frau des Weinschenkers schwur Rache an die Familie Evremonde und hetzt gemeinsam mit anderen Weibern in den Gassen von Paris einen Komplott gegen den Marquis aus.
Hautnah versetzt uns Charles Dickens mitten in die Revolution. Ich konnte mir alles sehr lebendig vorstellen, wie die Bastille gestürmt wurde, sie einen Brief in einer der Zellen von Dt. Manette finden, der dort einmal einsaßt und wie sich das Leben mit den Rotmützen in der Stadt verändert, Angst und Schrecken verbreitet wird und zukünftig jeder mit "Ich grüße euch, Bürger.", angesprochen werden darf.

In London hat Charles Darnay vom Mord an seinen Onkel erfahren und reist zurück nach Paris, wo er prompt gefangen genommen wird. Nach einiger Zeit schafft es Dr. Alexander Manette seinen Einfluss als berühmten und begehrten Arzt gelten zu machen und ihn heraus zu holen, doch Darnay hat keine Chance und wird erneut angeklagt - mit einem Tod durch die Guillotine binnen 24 Stunden!
Und dann taucht Sydney, ein langjährig gebliebener Freund der Familie mit einem Dutzend Besuchen im Jahr, wieder auf ....

Charles Dickens schreibt wahrhaftig beeindruckend. Immer wieder gab es Stellen im Buch, da dachte ich, wie ist das möglich? Sein Schreibstil ist einzigartig! Auch wenn ich mich zunächst erst einlesen musste, um mich an den Sprachstil von ihm zu gewöhnen, so habe ich doch Gefallen daran gefunden.
Er schafft es den Leser wirklich mitten in die Revolution zu setzen und sich alles bildhaft vorzustellen, wie es zu dieser Zeit vonstatten gegangen ist.
Auch findet sich recht oft ein Rhythmus in seinen Texten und in den Dialogen stecken so viele wahre Kerne, dass ich sie unmöglich alle benennen kann.

Der Anfang machte mich neugierig und schnell wurde klar, dass seine Geschichte seinen Anfang von ganz am Anfang nehmen wird. Ich fand es interessant die Charaktere kennenzulernen.
Im Mittelteil fiel die Spannung etwas ab und ich musste mich teilweise wirklich durch den Text durchbeißen, aber es hat sich gelohnt! Im letzten Drittel fährt Dickens noch einmal all seine Geschütze auf und das Mitfiebern im Gerichtssaal beginnt.
Dickens schreibt so einfühlsam und so detailreich! seine blumigen Worte erreichten mein Herz und es wird wirklich jeder Trittstein, jede menschliche Regung, einfach alles Menschlich Mögliche beschrieben - und Handlungen und Taten treiben mir auch jetzt noch, während ich diese Zeilen schreibe, Tränen in die Augen.
Gerührt war ich von der Szene, in der Darnay bereits eingekerkert ist und seine Gattin mit Töchterchen an der Hand, jeden Tag mehrere Stunden an einem bestimmten Platze vor seinem Zellenfenster ausharrt, sodass er sie sehen kann - sie sieht ihn nicht.
Auch die Krankheit und das psychische Leiden von Alexander Manette hat mich fasziniert, wie Probleme gelöst werden und welches Wissen die Menschen schon in dieser Epoche hatten.
Es fasziniert mich, wie grandios und echt Dickens die Revolution aufleben lässt, obwohl er sie selbst gar nicht erlebt hat. Es ist einfach der Wahnsinn!
Es gibt Szenen, da stellt Dickens blutrünstige Rachemonster so genial da - selbst die eine Frau trägt den Kosenamen Die Rache.
Dickens hat wunderbare und einzigartige Charaktere erschaffen.
Er schafft es jeden als Individuum darzustellen. Da gibt es Mr. Cruncher mit seinem stachligen haar wie ein Igel und Lucie, dass "Püppchen" ...

Im Laufe des Lesens habe ich überall zwischen die Seiten an Stellen, die mich besonders gefesselt und ja beeindruckt haben kleine Zettelchen reingelegt.
Ein paar möchte ich hier an dieser Stelle erläutern, bzw. Zitate, die mir gefallen schreiben:

"Das ist eine verteufelt kuriose Antwort."

Es liegt oft an den kleinen Sachen, die das Buch für mich so besonders machen.

"Ich höre ein Pferd uns nachtraben, Joe.
"Und ich sage, es galoppiert, Tom.", versetzte der Kondukteur.

Dann gibt es eine Szene, in der Weinfässer auskippen, sich die Männer darüber hermachen und ihren Spaß damit treiben.

Die sich an den Faßdauben gelabt hatten, waren um den Mund herum getigert, und ein so beschmierter Spaßmacher, auf dessen Stirn eine schmutzige lange Zipfelmütze niederfiel, malte mit seinen in die trübe Weinhefe getauchten Fingern das Wort "Blut" an eine Wand.
Es sollte eine Zeit kommen, in der auch solcher Wein in den Straßen ausgegossen wurde und sein Rot viele Pflastersteine färbte.

--> das finde ich so beeindruckend!!!! Mein Lieblingszitat!

Tellsons Bank bei Temple Bar war schon im Jahr eintausendsiebenhunertundachtzig ein altmodisches Haus, sehr klein, sehr dunkel, sehr häßlich und sehr unbequem.

Die Jahreszahlen hat er immer ausgeschrieben und allein die Beschreibung des Hauses finde ich zum Schmunzeln.

"Hochverrat."
"Darauf steht Vierteilen.", sagte Jerry. "Barbarisch!"
"So lautet das Gesetz."

Oder im Gerichtssaal beginnt ein Frageantwortspiel:

Hatte er es geerbt? Ja. Von wem? Von einem entfernten Verwandten. Sehr entfernt? Ziemlich. Noch nie im Gefängnis gewesen? Gewiß nicht. Auch nicht in Schuldhaft? Sah nicht ein wie das hergehöre. Nie in Schuldhaft? Schon wieder diese Frage. Nie? Doch. Wie oft? Zwei - oder Dreimal. Nicht fünf- oder sechsmal? Vielleicht. Von welchem Beruf? Gentleman. Nie Fußtritte gekriegt? Kann sein. ....

Es war eine trinklustige Zeit, und die meisten Männer tranken. (...)
Sydney Carton, ein Faulpelz, von dem sich kein Mensch etwas versprach, war Stryvers großer Bundesgenosse. Was von den beiden zwischen Sankt Hilari und Michaelis zusammen getrunken wurde, hätte ein Kriegsschiff flottmachen können.

Dickens verwendet in seinem Roman sehr viele ungewöhnliche Vergleiche. Niedlich finde ich, dass es bereits zu seiner Zeit so viele uns bekannte Worte gab, aber auch zuckrige Spitznamen, so nennt Miss Proß Lucie einmal ihr "Herzkäferchen".

Sydney Carton über sich selbst zu Lucie Manette:
"Ich gleiche einem Menschen, der jung gestorben ist. Mein ganzes Leben kann als gewesen betrachtet werden."

Dieses Zitat finde ich auch wunderschön - hach , seufz , schmelz

"Kurz-", sagte Sydney. "Wir leben in einer verzweifelten Zeit, in der man um verzweifelte Einsätze ein verzweifeltes Spiel spielt.

Diese Szene ist ganz große Klasse, sie überlisten einen Spion und die ganze Zeit wird in Metaphern eines Spiels gesprochen, indem der Spion in Ruhe bedächtig seine Karten betrachten soll, während Sydney sein Ass im Ärmel hält.


Zum Autor:
Charles John Huffam Dickens, ( * 7. Februar 1812 in Landport bei Portsmouth, England; † 9. Juni 1870 auf Gad's Hill Place bei Rochester, England) war ein englischer Schriftsteller.
 Zu seinen bekanntesten Werken gehören Oliver Twist, David Copperfield, Eine Geschichte aus zwei Städten, Große Erwartungen sowie Eine Weihnachtsgeschichte.






 
<3 Fiorella

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