Montag, 22. Dezember 2014

INTERVIEW zu MUC mit Anna Mocikat


Eine Dystopie, die in Deutschland spielt! :-)
Guten Morgen,
Ich hatte das große Glück Anna Mocikats Roman zu lesen und ihr auch ein paar Fragen (und noch ein paar mehr :D) stellen zu dürfen.
Wer ist Anna Mocikat?
Anna Mocikat, geb. 1977, machte zunächst eine journalistische Ausbildung, ehe sie an der renommierten Drehbuchwerkstatt München (Filmhochschule München) ein Stipendium erhielt und Drehbuchschreiben studierte. Anschließend war sie mehr als zehn Jahre lang im Filmbusiness als Drehbuchautorin und Regisseurin tätig, wobei sie mit zahlreichen namhaften TV-Sendern und Produktionsfirmen zusammen arbeitete. Später schrieb sie als Gamewriterin für diverse deutsche Videospielhersteller. Anna Mocikat lebt in der Nähe von München, "MUC" ist ihr Debütroman.
(Quelle)


Hier könnt ihr meine Rezension zu MUC nachlesen.

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Liebe Frau Mocikat, MUC ist ihr Debütroman. Haben Sie davor bereits einige Romane geschrieben, die nun in alten Schubladen verstauben?

Das habe ich tatsächlich. Ich habe noch ein sehr schönes Buch in der Schublade, das ich vielleicht später einmal veröffentlichen werde. Es hat sehr lange gedauert, bis ich endlich einen Roman veröffentlichen konnte. Für mich ist das wie ein Lottogewinn! Ich weiß, dass ich riesiges Glück hatte, aber ich habe auch hart dafür gearbeitet.

Sie haben schon immer sehr viel geschrieben und sich Geschichten als Drehbuchautorin und Gamewriterin ausgedacht - wie fassten Sie nun den Entschluss ein richtiges Buch zu veröffentlichen?

Ich habe damit einen Jugendtraum wahr gemacht, denn schon als Teenager, habe ich mir gewünscht, einen Roman von mir in einer Buchhandlung zu sehen. Jetzt, 20 Jahre später, ist es endlich soweit, und wenn MUC hoffentlich viele Leser begeistern kann, dann werde ich noch viele Romane schreiben.

Hauptberuflich arbeiten Sie als Gamewriterin. Wie lange haben Sie nebenbei an MUC geschrieben? (inklusive Korrektur)

Ich bin mittlerweile hauptberuflich Schriftstellerin. Für mich ist das ein Fulltime-Job. Nachdem ich schon lange einen Roman schreiben wollte, aber nie die Zeit dazu fand, hat mich mein Mann schließlich dazu ermutigt, eine Auszeit zu nehmen und mich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren. Für die erste Fassung von MUC brauchte ich in etwa sechs Monate. Aber von der Idee bis zum Buch in den Läden vergingen mehr als zwei Jahre.

Waren Sie zwischenzeitlich an einem Punkt angelangt, indem sie so verzweifelt oder frustriert waren und MUC hinschmeißen wollten?

Oh ja! Ich bin wahnsinnig selbstkritisch und musste mich im Verlauf des Schreibens von MUC immer wieder fragen, ob das auch gut ist, was ich da mache. Aber auch da kann ich mich voll und ganz auf meinen Mann verlassen. Er ist mein wichtigster Leser, lobt mich, wenn ihm etwas gefällt und sagt mir aber auch ehrlich, wenn etwas in seinen Augen nicht funktioniert. Aber alles in allem hat mir die Arbeit an MUC wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Was war das für ein Gefühl, als Sie ihren ersten eigenen Roman frisch gedruckt in ihren Händen hielten?

Einfach unbeschreiblich schön! Ich konnte es kaum glauben, als nach so langer Zeit mein Traum endlich wahrgeworden war. Außerdem gefallen mir das Cover und die ganze Aufmachung des Buches wahnsinnig gut.

Wissen Sie noch, wann und wie Ihnen der Einfall von Pia und ihrer Reise in ein dystopisches München in der Zukunft im Jahr 2120, kam?

Lustigerweise ganz weit weg von meiner Heimat München, nämlich in Thailand, wohin ich jedes Jahr für ein paar Wochen reise. Im Süden des Landes gibt es einen Regenwald genannt KaoSok, es ist ein Naturschutzgebiet dessen Wald zum Teil älter ist, als der im Amazonas. Ich war zutiefst beeindruckt von der Wucht, mit der die Natur dort alles beherrscht. Es gibt dort Bäume, die so groß sind wie Häuser, und einen schier unvorstellbaren Reichtum an verschiedenen Pflanzen und Tieren. Gleichzeitig fand ich es dort aber auch irgendwie bedrohlich, ich kam mir als Mensch vor, wie ein Fremdkörper, der dort nichts verloren hat. Die Eindrücke, die ich dort gesammelt habe, ließen mich nicht mehr los, und zurück in Deutschland begann ich mir auszumalen, wie es wohl wäre, wenn es fast keine Menschen mehr gäbe und sich die Natur den ganzen Planeten zurückholen würde. Die Grundidee von MUC war geboren.

Wie gefällt Ihnen das Cover zu ihrem Roman?

Sehr gut! Ich war sofort darin verliebt, als ich es das erste Mal sah. Es spiegelt in meinen Augen perfekt die Stimmung des Romans wieder.

Gibt es reale Personen, die sie zu ihren Charakteren wie Pia, oder den sanften Familienvater und grimmigen Kämpfer Sam oder der lässigen und autoritären Aela inspiriert haben?

Nein, alle Figuren entspringen meiner Fantasie.

Haben sie einen Lieblingsprotagonisten?

Ganz klar, Aela. Sie ist cool, intelligent und hat trotz ihrer manchmal zynischen Art das Herz am rechten Fleck. In einer brenzligen Situation kann man niemand Besseren an seiner Seite haben.

Kann man deine Persönlichkeit in einem deiner Charaktere wieder finden?

Wahrscheinlich ein bisschen in Allen. Sie alle spiegeln unterschiedliche Facetten von mir wieder, sind sozusagen meine geistigen Kinder. Ich habe mich jedoch sehr bemüht, jedem Einzelnen eine eigene, unverwechselbare Persönlichkeit zu geben, damit sie alle lebendig und real auf den Leser wirken.

Warum haben sie München als zentralen Angelpunkt der Geschichte ausgewählt und nicht beispielsweise Deutschlands Hauptstadt Berlin?

Weil München meine Heimat ist und ich mich hier am besten auskenne. Es hat mir sehr großen Spaß gemacht, etwas sehr Vertrautes auf völlig neue Art zu beschreiben und wirken zu lassen.

Was war bei MUC die größte Herausforderung?

Daran zu glauben, dass es tatsächlich veröffentlich werden könnte.

Was ist ihre persönliche Lieblingsszene in dem Buch?

Das kann ich jetzt nicht sagen, ohne denjenigen, die das Buch noch lesen wollen, zu viel zu spoilern. Aber es hat damit zu tun, wie Pia über sich hinauswächst zu einer richtigen Heldin wird.

Sie schildern Pias Flucht durch die Wildnis so authentisch, dass in mir die Fragen aufkeimte: Haben Sie selbst schon einmal einen Survialkurs mitgemacht?

Haha, Gott bewahre! Ich gehe nicht mal gerne campen! Das Schöne am Schreiben ist für mich unter anderem, dass man durch die Augen seiner Protagonisten Dinge erleben kann, die man sonst nie machen würde.

Bei uns sind rothaarige Menschen eher selten. Warum haben sie ausgerechnet die Träger mit dieser Haarfarbe ausgewählt, als die Einzig überlebenden? (Und nicht blond oder schwarz?)

Das hat mehrere Gründe. Ich wollte, dass sich die Überlebenden der Seuche durch ein körperliches Merkmal von den anderen abgrenzen, außerdem war meine Idee ja, dass die Menschheit fast ausgestorben ist, es in etwa nur zwei Prozent Überlebende gibt. Dann ist mir eingefallen, dass zumindest bei uns, in etwa zwei Prozent der Menschen rote Haare haben. Als ich dann zu dem Thema recherchierte, stellte sich heraus, dass Rothaarige sich genetisch tatsächlich in ein paar Kleinigkeiten vom Rest unterscheiden, das war also perfekt für meine Geschichte. Zudem fand ich den Gedanken reizvoll, weil ja Rothaarige jahrhundertelang stigmatisiert und ausgegrenzt wurden. In MUC ist es umgekehrt. Zu guter Letzt finde ich rote Haare einfach schön.

Sie haben sich dafür entschieden in der dritten Person zu schreiben. Gab es dafür besondere Beweggründe?

Ja. Obwohl MUC komplett nur aus Pias Sicht erzählt wird, soll sich das in der Fortsetzung ändern. Dort werden dann noch andere Figuren stärker in den Fokus rücken. Das wäre mit der Ich-Perspektive nicht vereinbar gewesen.

Wie sind sie auf den Namen Hades, als Untergrundstation für Diebe, Schmuggler und Schlepper, gekommen?

Diese Leute leben im Untergrund, und da Hades ja der altgriechische Gott der Unterwelt ist, fand ich den Namen ganz passend.

Der Diebstahl und das Fassadenklettern spielt eine wesentliche Rolle für das Überleben in MUC. Haben Sie selbst eins von beiden bereits gemacht?

Haha, nein! Ich muss zugeben, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie etwas gestohlen habe, auch als Kind nicht. Und da ich Höhenangst habe, scheidet auch Klettern für mich aus. Ich habe aber großen Respekt vor Kletterprofis und Parkour-Läufern. Für meinen Trailer habe ich eine Münchner Parkour-Läuferin als Pia engagiert und war total begeistert davon, was sie so drauf hat.

Haben Sie die Befürchtung, dass ihre Welt, die sie geschaffen haben, einmal real werden könnte?

Ich hoffe doch nicht! Das wäre ja grauenvoll. Ich hoffe außerdem sehr, dass es für unseren Planeten noch einen anderen Weg gibt, zu überleben, als dass die Menschheit ausstirbt. Es wäre schön, wenn sich die Menschen endlich besinnen würden, und aufhörten unsere wunderschöne Welt immer weiter kaputt zu machen.

Wie kam ihnen die Idee zu der kleinen Nele mit ihrer Hand, die aus der Schulter wächst und ihrer Rolle für die Schlussszene?

Ich habe mir überlegt, dass nach dem großen Sterben fürchterliche Umweltkatastrophen über die stark dezimierte Menschheit herein gebrochen sind. So sind zum Beispiel etliche Atomkraftwerke in die Luft geflogen, weil plötzlich niemand mehr da war, der sie warten konnte.  Das hatte riesige verseuchte Gebiete zur Folge sowie Mutationen unter den Nachkommen der Überlebenden. Nele ist ein solcher Strahlungsmutant. In MUC selbst gelten solche wie sie als unrein und haben daher keine Daseinsberechtigung, doch in der unterirdischen Gemeinschaft des Hades ist das anders. Hier ist es egal, wie man aussieht. So hat Nele also das Glück in einer Umgebung aufzuwachsen, in der ihr Anderssein keine Rolle spielt. Für Pia ist das etwas wundervolles, denn in dem Dorf, in dem sie aufgewachsen ist, wurde sie wegen ihres Aussehens geächtet. Sie fühlt sich mit Nele verbunden

Vergleichen Sie das Große Sterben mit der Pest, oder sehen sie eher den Bezug zu aktuellen Problemen, dass sich Ebola trotz Quarantäne immer weiter verteilt?

Ich hatte tatsächlich an sowas wie die Pest gedacht – nur noch weit schlimmer. Als ich MUC geschrieben habe, war Ebola noch gar nicht wieder aktuell. Umso schrecklicher finde ich natürlich den neuen Ausbruch jetzt.

Bleibt MUC ein Einzelband oder ist mit weiteren Fortsetzungen zu rechnen?

Eine Fortsetzung ist bereits beschlossene Sache und wird nächstes Jahr erscheinen. Danach werden wir sehen, ob die Leser auch eine Trilogie wollen. Zudem werden 2015 vier kurze E-Books aus dem MUC-Universum erscheinen, die sich mit Figuren und Aspekten beschäftigen, die im Roman keinen Platz gefunden haben. Das erste E-Book „Robins Reise“ erzählt zum Beispiel, warum Robin so viele Monate verschwunden ist und was er in der Zwischenzeit so erlebt hat.

An welchem Ort schreiben Sie?

Ich habe meinen festen Schreibtisch, von dem aus ich in die Bettchen meiner Hunde und den Garten blicken kann.

Haben Sie irgendwelche Schreibrituale?

Eigentlich nicht. Schreiben ist für mich mein Job, dem ich diszipliniert jeden Tag nachgehe. Ich habe ein bestimmtes Tagespensum und mache erst Feierabend, wenn das erfüllt ist.

Wer durfte als erstes ihr Manuskript testlesen?

Mein Mann. Sobald ein Kapitel fertig ist, bekommt er es zu lesen.

Was lesen Sie selbst gerne?

Ich bin nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt. Zu meinen aktuellen Lieblingsautoren zählen George R. R. Martin und John Burdett.

Welche Interessen und Hobbies haben Sie neben dem Schreiben?

Am liebsten verbringe ich Zeit mit meinem Mann und meinen zwei Hunden. Außerdem lese ich gerne, bin leidenschaftlicher Gamer, Filmfan und Serienjunkie. Wie schon erwähnt, fahren wir jedes Jahr nach Thailand, das ich sehr liebe. Eines meiner Hobbies ist außerdem die Thai-Sprache, die ich jetzt seit eineinhalb Jahren in einem Kurs erlerne.

Zu guter Letzt:

Bestimmt werden Sie oft in Interviews das Gleiche gefragt. Welche Fragen können sie nicht mehr “lesen” und welche Frage würden Sie gerne einmal beantworten? Suchen sie sich selbst eine Frage aus!


Es gibt eigentlich keine Frage, die mich nerven würde. Ich freue mich sehr, über das Interesse an mir und vor allem an meiner Arbeit. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Fragen dieses Interviews zu beantworten! Vielen Dank dafür!

 

Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben alle meine  Fragen zu beantworten.
Danke Danke Danke liebe Anna. Das hat mir so viel Spaß gemacht, deine Antworten zu lesen :) ich bin so glücklich, aber das habe ich dir ja alles schon gesagt :)
<3 Fiorella
Hier könnt ihr meine Rezension zu ihren Buch nachlesen.
 

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