Dienstag, 8. April 2014

Rezension zu Ich gegen dich von Jenny Downham

Dieses Buch ist u.a. von der Autorin, die den Weltbestseller Bevor ich sterbe schrieb. Ich habe dieses Buch zwar nicht gelesen, werde es aber mit Sicherheit tun, denn dieses Buch finde ich echt spitze.

Inhalt vom Buchrücken:
Eine moderne Liebesgeschichte à la Romeo und Julia Seit Mickeys fünfzehnjährige Schwester Karyn von Tom, Sohn reicher Eltern, vergewaltigt worden ist, verlässt sie ihr Zimmer nicht mehr. Mit der Mutter, die trinkt, ist nicht zu rechnen. Alles bleibt nun an Mickey hängen, auch um die kleine Schwester Holly kümmert er sich. Und diesem Tom würde er es am liebsten heimzahlen. Ein Flirt mit Toms Schwester Ellie scheint das einfachste Mittel, um näher an ihn ranzukommen. Doch als Liebe daraus wird, wird die Sache kompliziert: Hält Mikey zu seiner Schwester oder steht er zu Ellie? Und für welche Seite entscheidet sich Ellie? Für ihren Bruder und ihre Familie – oder für den Jungen, den sie liebt?



Meine Meinung:
Erster Satz: Mikey konnte es nicht fassen.
Letzter Satz: Zum ersten Mal seit Tagen, vielleicht zum allerersten mal in seinem ganzen leben gab es überhaupt nichts, was er ändern wollte.

Mir hat es insgesamt sehr gut gefallen.
Der erste Teil war etwas langatmig und es hat viele Seiten gebraucht, ehe die beiden Hauptcharaktere sich erst nah kommen.
Der Schreibstil ist sehr einfühlsam, aber auch lang und detailliert und so werden die Gefühle sehr gut beschrieben. Wer so etwas gerne mag, der wird sich für dieses Buch mit Sicherheit begeistern können. Ich persönlich fand es nicht schlimm.

Gleichzeitig ist es aber nicht nur ein Buch zwischen den beiden, sondern als Leser auch über die Unterschiede in Familien.

Auf der einen Seite ist da Mickey, der in einer Hafenkneipe als Tellerwischer arbeitet und immer etwas vom Koch beigebracht bekommt. Er liebt das Kochen und sein größter Traum ist es in London ein Starkoch zu werden und in einem luxuriösen Apartment einen atemberaubenden Blick über die Stadt zu haben.
Doch von diesem Traum ist er bis jetzt noch weit entfernt. Er wohnt in einer Sozialsiedlung, in der es stinkt, zusammen mit seiner Mutter, einer Alkoholikerin, die den ganzen Tag schläft und seinen beiden Schwestern.
Frau Downham, hat gewisse Klischees aufgegriffen und gezeigt, das sie nur die halbe Wahrheit sind. So prügelt sich Mickey, hält nicht viel von Schule raucht und haut öfter mal von der Arbeit ist. Und dennoch ist er ein liebevoller Bruder, der seine kleine Schwester Holl zur Schule bringt, der die Küche aufräumt und alles für seine Familie tut.
Seine Schwester Karyn wird als typische 15 Jährige dargestellt, die hohe Schuhe zu kurzen Miniröcken trägt, roten Nagellack und nach der am Anfang vermeintlichen Vergewaltigung sich nicht mehr aus dem Haus traut.
Und dann ist da noch die Mutter. Der Charakter von mir hat mich persönlich am meisten beeindruckt. Ich mochte sie, denn trotz ihrer Krankheit ist sie doch eine Mutter, die ihre Kinder liebt und um ihre Schwächen weißt und sich als sich alles dem Höhepunkt naht am Riemen reißt.
Und die Beziehung von Mickey zu seiner Familie, fand ich am besten und ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen und hätte mich dort auch wohl gefühlt, weil sie trotz ihrer Umstände eine richtige Familie sind, die sich lieben. Und dass es Freunde gibt, auf die du in jeder Minute zählen kannst!

Textauszug Seite 312:
Jacko fragte: "Warum magst du sie so gern?"
"Weiß ich nicht, ist halt so."
"Sehr anschauliche Schilderung."
Mikey trat so fest mit dem Fuß gegen die Mauer, dass Sand aufstob. "Was willst du von mir hören?"
"Warum du sie magst."
Jacko wollte ihn unbedingt demütigen, das war klar. Es verstieß gegen jede Regel, gegen jeden Buchstaben des Codes unter Männern. Aber die Autoschlüssel waren es wert.
"Ich kann nichts dran machen, so einfach ist das. Ich kann's nicht stoppen." Er holte Luft. "So wie du's nicht ändern kannst, dass du süchtig nach deinem Auto bist."
Jacko runzelte die Stirn. "Sie ist wie'n Auto?"
"Nein, Mann. Sie ist, keine Ahnung...." Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare, versuchte drauf zu kommen, was genau Ellie mit ihm anstellte. Es kam ihm wichtig vor, es in die richtigen Worte zu fassen. "Sie glänzt."
"Wie'n Auto?"
"Hör auf mich zu verarschen."

Auf der anderen Seite steht Ellie. Sie wohnt mit ihren Eltern und Bruder Tom, und einem Hund in einer Villa mit einem riesigen Garten. Doch dort ist auch nicht alles heile Welt wie es von Außen den Anschein hat.
Ellie soll nur für ihre Prüfungen lernen, ihre Eltern sind generell etwas kaltherzig und ihre Mutter traut sich nicht ihre Meinung zu sagen, sondern hält immer zum dominanten Vater. Ich fand es sehr gut, dass durch den Vorfall in der Familie sich auch die Mutter von Ellie ändert. Dadurch bekommt die Geschichte etwas rundes und es werden wirklich alle Charaktere angesprochen.

Textauszug Seite 14:
"Wo warst du gestern Abend?"
"Weg."
"Warst du mit dieser neuen Freundin von dir zusammen? Sarah, oder wie hieß sie gleich nochmal?"
" Sienna."
" Das war die davor."
" Nein, das war Shannon."
Holly lachte lange und  laut. "Du bist so schlimm, Mickey!"
In seiner Tasche wartete ein Schraubenschlüssel. Er gab Mum ihren Kaffee. "Ich muss jetzt los."
"Wohin?"
"Hab was zu erledigen."
Sie runzelte die Stirn. "Ich will nicht, dass du dir Ärger einhandelst."
Sie hatte da so etwas Cleveres. Man konnte meinen, sie hätte einen Kater und würde nichts mitkriegen, doch das stimmte nicht ganz. "Ich meins Ernst.", sagte sie. "Halt dich aus allem raus. Noch mehr Schwierigkeiten können wir nicht brauchen."
Aber er sagte nur: "Ich geh dann mal."
"Was ist mit Holly?" Sie kann nicht allein zur Schule."
"Dann musst du sie hinbringen. Dafür sind Eltern doch da, oder nicht?"
Sie schüttelte den Kopf. "Weißt du, was dein Problem ist, Mikey?"
"Nein, Mum, aber bestimmt sagst du es mir gleich."
Sie griff nach ihrer Zigarette, klopfte die Asche ab und nahm einen letzten tiefen Zug, wobei sie ihm den Rauch direkt ins Gesicht blies. "Du bist nicht der harte Kerl, für den du dich hälst."

Besonders toll fand ich, dass Tom, als Vergewaltiger kein grundsätzlich schlechter Mensch ist. Meistens werden solche Typen gleich als Verbrecher dargestellt, die krank im Kopf sind. Doch Tom ist ein Schüler, wie jeder andere, der das College besucht, darunter leidet, dass er nach dem Umzug noch nicht so viele neue Freunde kennengelernt hat, der seine Schwester über alles liebt und ein Traumbruder ist.
ich mochte Tom und konnte ihn verstehen, denn an den ganzen Verwicklungen und Dramen in der Geschichte ist eigentlich nur der Vater Schuld, der es sich nicht eingestehen möchte, dass sein Sohn so etwas getan hat. Er spielt sein ganzes Geld aus und wendet sich am Ende gegen seine eigene Tochter, weil Ellie nicht länger schweigen kann. Denn sie war zu der Tat im Haus.
Die Gefühls- und Gedankenwelt wurde dabei sehr gut herausgearbeitet.

Der Schreibstil war flüssig, und die Autorin hat richtige Jugendsprache und Schimpfwörter eingearbeitet, um das ganze so authentisch wie möglich dazustellen.
Jedoch muss der Übersetzer schlecht gearbeitet haben, weil manchmal die Satzkonstruktionen etwas verwirrend sind.
Ellie und Mickey, ja eigentlich fand ich alle Protagonisten sehr sympathisch. Und Ellies Entwicklung ist wirklich sehr überraschend.
Ich bin wieder mal wie lange nicht mehr vollkommen zufrieden und das Buch Ich gegen dich, bekommt von mir locker 4 Genießer.




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