Dienstag, 29. April 2014

Rezension zu Am Horizont das rote Land

Zur Abwechslung mal ein historischer Roman. :)




Inhalt vom Buchrücken:
Als die junge Irin Rhia 1840 nach London kommt, stirbt kurz nach ihrer Ankunft ihr einziger Verwandter in der Großstadt. Sie glaubt nicht an seinen Selbstmord und beginnt, Fragen zu stellen. Damit sticht sie in ein Wespennest. Man verurteilt sie wegen Diebstahls und schickt sie auf einem Gefangenenschiff nach Australien. Wer hat ihr das angetan? Obwohl alle Hoffnung verloren scheint, gibt es einen Mann, der um Rhia kämpft. Reicht seine Liebe bis ans andere Ende der Welt?

Meine Meinung:


Erster Abschnitt:
4. April 1841
Die grauen Mauern des Millbank-Gefängnisses wurden immer kleiner, bis sie nur noch einen dunklen Punkt am Rande der sich entfernten Welt darstellten. Die Sonnenstrahlen ergossen sich über das Wasser und zerbrachen in einzelne Splitter, wo die Ruder ins Wasser eintauchten. Ein Licht, das so bewegend war, dass er Narben hinterlassen würde.

Letzter Satz:
Doch ganz sicher war er nicht.

Die bereits für damalige Verhältnisse nicht mehr junge Irin (28) Rhia Mahoney geht nach London in der Hoffnung mit einem Beruf nach Dublin zurückzukehren.
Dies ist zu dieser Zeit im 19. Jahrhundert selbst im Zeitalter der Industrialisierung (wird sehr detailliert beschrieben- ein Pluspunkt!) gewiss nicht leicht. Zudem wird sie immer wieder mit den Vorurteilen, mit denen Frauen zu dieser Zeit noch zu kämpfen haben konfrontiert-und zwar im gesamten Roman. (2. Pluspunkt)

Doch schon am Anfang merkt der Leser recht schnell das Rhia alles andere als gewöhnlich ist, weder im Aussehen (südländisch), noch in ihrem Verhalten (sie ist keine Puppe, wie die meisten englischen Damen, z.B. ihre Freundin Isabella).
 Nach einem Mord an ihren Onkel Ryan beginnt Rhia Fragen zu stellen und ab da nimmt das Schicksal seinen Lauf. Und bis es dazu kommt sind die ersten 200 Seiten schon einmal weg. (Minuspunkt für den endlosen Anfang)

Sie wird zu Unrecht, nachdem ihr ein Tuchdiebstahl untergeschoben wird, mit der "Rajah", ein Gefängnisschiff nach Australien verbannt. Ihre inzwischen gewonneden Freunde können ihr nicht rechtzeitig helfen. Diese Stelle finde ich sehr undurchsichtig und nicht gut durchdacht.

Der Hauptteil des Buches findet demnach auf dem Schiff statt. Da spalten sich für mich die Gemüter. Einerseits finde ich es gut, dass das Leben auf so einem Gefängnistransport für die Verurteilten (egal ob schuldig oder nicht) sehr gut dargestellt wird (weiterer Pluspunkt), andererseits finde ich es schade, dass sie am Ende in Australien nur so kurze Zeit verbringt und der Handlungsverlauf im roten Land kaum eine Rolle spielt. (Minuspunkt).
Auch wird sie ganz plötzlich doch freigesprochen (wie aus dem Nichts, völlig unerwartet-(daher Minuspunkt) und kann, oh welch ein Zufall mit einem Freund ihrer Familie, der selbst Gefangener war wieder zurück nach Hause.
Wo die Hinfahrt so lang gedauert hat, hat die Autorin für die Rückwart nicht mehr als eine Seite übrig - überhaupt wirkt das Ende für mich sehr gedunrgen, sodass ich den Eindruck hatte, das Buch sollte so schnell wie möglich fertig werden. (nochmal Minuspunkt)

An sich ist das Buch aber keineswegs so langweilg, wie es jetzt vielleicht klingt. Der Leser lernt viel über Kalotypie, eine komplizierte und zeitaufwendige Urform der Fotografie. Und auch politische Aspekte und historisch tatsächlich passierte Gegebenheiten werden mit aufgegriffen, sowie Probleme mit dem Opiumhandel. (Pluspunkt)

Ein weiterer Pluspunkt ist für mich die interessante Gestaltung der Kapitelüberschriften, jeweils benannt nach Stoffen, Farben oder Mustern, welche immer wieder im Text aufgegriffen werden.

Seite 415:
Bernstein.

Seite 388:
Zedernholz.

Seite 273:
Maisgelb.

Seite 149:
Seidenkrepp.

Seite 509:
Hahnentritt.

Nur um einige Beispiele zu nennen :)
Schade fand ich, dass der Roman aus der Sicht des auktorialen Erzählers geschildert wurde, d.h. zeitweilig drehen sich die Kapitel nicht nur um Rhia sondern auch um die Nebencharaktere
Michael (ein alter Freund der Familie),
Antonia (Vermieterin von Rhia) und
Juliette (Dienstmädchen von Antonia).
Aus diesem Grund konnte ich mich nicht gut in Rhia hineinversetzn, auch wenn die Autorin dies versucht, indem Rhia Briefe in der Ich-Form an ihre verstorbene (!) Großmutter schreibt. (Minuspunkt)
Auch sehr verwirrend finde ich, dass Rhia Geister sieht, sie hört und mit ihnen spricht.

Und ein sehr großes Makel an den Verlag, der die Buchrückseite gestaltet hat.
So viele Fehler auf einmal. "Wer liebt gibt niemals auf.", steht zum Beispiel sehr groß darauf.
Dazu muss ich sagen, weiß Rhia bis zum Schluss nichtmal ob sie überhaupt einen Mann liebt.

Im Klappentext steht zudem" (...), doch es gibt einen Mann, der um Rhia kämpft. Reicht seine Liebe bis ans Ende der Welt?"
Ich konnte mir schon ziemlich früh denken, wer denn dieser berühmte Mann ist, aber gekämpft hat er nicht.
Und auch wussten beide Beteiligten bis zum Ende nicht das sie sich lieben. Also wer sich hier eine Liebesgeschichte wünscht, wird enttäuscht und sollte sich nach etwas anderem umsehen. (Minuspunkt).

Fazit:
 
Historisch: Auf jeden Fall!
Liebesgeschichte: Nicht im Geringsten.
Krimi: Halb/ Halb  und eigentlich hätte Rhia für diese Geschsichte und deren Handlungsverlauf nicht auf die Rajah gehen müssem, denn das spielt kaum eine Rolle (hätte auch aufs Land verlegt werden können). So ganz schlüssig sind mir  die Logik und Gedanken der Autorin dabei nicht.

Es gibt viele positive Pluspunkte, aber eben auch viele Minusounkte, deswegen bewerte ich "am Horizont das rote Land" mit sehr stabilen drei Genießern!



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