Dienstag, 4. März 2014

Rezension zu" Es wird keine Helden geben" von Anna Seidl


Ganz ehrlich: Ich musste erst einmal eine Nacht darüber schlafen.

Erster Satz: Alles wird damit beginnen, dass ich verschlafe.
Erster Satz aus dem 1. Kapitel: Man kann die Angst riechen.
Letzter Satz: Dann änderte sich alles.

Inhalt vom Buchrücken:
Kurz, nachdem es zur Pause geläutet hat, hört Miriam einen Schuss. Zunächst versteht niemand, was eigentlich passiert ist, aber dann herrschen Chaos und nackte Angst. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, schießt um sich. Auch Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen. Miriam überlebt - aber sie fragt sich, ob das Leben ohne Tobi und mit den ständig wiederkehrenden Albträumen überhaupt noch einen Sinn hat. Waren sie und ihre Mitschüler Schuld an der Katastrophe?

Das Buch beginnt unmittelbar am Tag des Amoklaufs und begleitet Miriams Leben etwa etwas über einen Monat. Dann ein Bruch, Zeitensprung.  Und am Ende ist über ein halbes Jahr vergangen.

Es berichtet in der Gegenwart und ab und zu werden Rückblendungen eingeschoben, wenn Miriam sich an früher, indem Fall, vor dem Amoklauf, erinnert.



Meine Meinung:
Bei mir gibt es eine grundlegende Faustregel, was Bücher angeht:
Wenn ich weinen oder lachen muss, dann ist es gut. Mehr als gut.
Dabei meine ich nicht, dass mir stumm eine Träne über die Wange rollt oder ich lächeln muss, wenn ich die Worte lese. Nein, ich meine, damit, dass ich einen Heulkrampf bekomme. Richtig weine. Davon träume und es mich nicht mehr loslässt. Für mindestens einen Tag.
Dass ich so lachen muss, dass mir Lachtränen in die Augen schießen und mein Bauch schon weh tut.
Dann ist das Buch für mich mehr als ein Buch. Und bekommt 6 von 5 Sternen.

Das ist bei diesem Buch der Fall.

Es wird keine Helden geben, ist ein Roman, der trotz seiner Kürze, vielleicht schon ein bisschen zu lang ist. Ich muss zugeben, der Anfang fiel mir schwer, mich in ihre Schreibweise hineinzufinden und doch ist es ganz leicht. Denn die Autorin ist direkt unter uns. Sie war 16, als sie das Manuskript dazu schrieb und auch noch als Deutschland. Daher ist es sehr authentisch und die Jugendsprache  echt im Gegenzug dazu, wenn ein erwachsener Autor versucht ein auf "jugendlich" zu schreiben.

Ich musste mich wie gesagt, erst in die Geschichte einfinden. Auch weist es für mich an einigen Stellen Ungereimtheiten auf. Manchmal ist es mir etwas zu langatmig und am Anfang kann ich Miriam, die Hauptprotagonistin nicht verstehen. Sie jammert zu viel rum. Aber wer kann das schon beurteilen, wenn noch nie einer von uns, einen Amoklauf wirklich erlebt hat? So vieles erscheint unwirklich und übertrieben - denn die Autorin bietet uns eine reiche Palette an Folgen. Miriams Freundinnen gehen alle auf eine andere Art und Weise damit um. Eine haut mich um. Ich war erschüttert. Ich hätte es nicht erwartet.
So stecken in dem ganzen Buch Überraschungen und Wendungen, die ich hier nicht verraten will.
Manche gefallen mir nicht. An anderer Stelle hätte ich mir etwas anderes gewünscht. Das Ende hat mir nicht gefallen. Aber das ist Geschmackssache. Es lag einfach an dem Protagonisten, der in Miriams Leben trat und schmälert die Geschichte an sich nicht.
Und auch, wenn das Buch einige Schwachstellen hat, mindern sie den Wert nicht.
Wer sich wirklich damit auseinander setzt und sich selbst vorstellt, was wäre wenn... dem kommt das ganze vielleicht nicht mehr so unrealistisch vor.

Das Buch macht traurig. Nachdenklich. Es ist erschütternd. Grausam. Manchmal dachte ich, das kann doch nicht sein. Und es stecken so viele Lehren in dem Buch drin. Versteckte und doch offen ausgesprochene. Ohne diesen Lehrerton, der mit erhobenen Zeigefinger wackelt.
Miriam spricht aus uns. Sie wird mir im Laufe des Buches immer sympathischer.
Das ist ein weiterer Punkt, der mir gefällt. Sie ist wirklich eine von uns. Sie könnte direkt von meiner Schule stammen. Sie wirkt so echt. Was vielleicht auch deshalb der Fall ist, weil die Autorin Anna Seidl selbst aus unserer Mitte stammt.

Ich weiß, vielleicht kommt euch mein Schreiben ein bisschen Wischi- Waschi vor. Nichts konkretes. Mal hier, mal da. Als wenn ich nicht wüsste, was ich davon halten soll.
Vielleicht ist es auch so. Jeder wird anderes in die Worte hinein interpretieren. Jeder wird anders empfinden, wenn er dieses Buch liest. Jeder, wird anders darüber denken.

Und das ist auch gut. Darum lest es. Es hinterlässt eine Wirkung. Es ist egal, ob positiv oder negativ. Aber sie hinterlässt eine.
Und für mich ist das Buch gut. Mehr als gut.

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